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Reiseblogs: Wir sind gerade mal unterwegs

Es ist so eine Sache mit den Reiseblogs.

Einmal gibt es inflationär viele davon. Aktueller Stand bei Google, wenn man +reiseblog (mit +-Zeichen, damit Google nur exakt nach diesem Wort sucht) eingibt: 402.000. Es scheinen also eine Menge Leute unterwegs zu sein, die von ihren Reisen berichten.

Jetzt kommt das Aber: Der Begriff „Reiseblog“ wird im Netz hemmunglos missbraucht, verdreht, ausgenutzt. Vor allem von Reiseveranstaltern, Buchungsportalen, Online-Reisebüros. Die schreiben einfach das Wörtchen „Reiseblog“ über ihre Webseiten, um damit ihr PR-Gedöns („Wahnsinn, dieser Superservice“), ihre Rabatt-Reklame („Wahnsinn, diese Super-Preise“) oder überhaupt sich selbst („Wahnsinn, wie toll Sie bei uns buchen können“) hinaus zu posaunen.

Wer also naiv nach Reiseblogs sucht, ist ziemlich aufgeschmissen. Ich tue es trotzdem immer mal wieder. Klicke mich durch die Ergebnisseiten bei Google, scrolle durch Bloggeramt und Bloggerei und andere Blog-Verzeichnisse, verfolge Tweet-Links und Facebook-Tipps – und so bleibt auch immer wieder mal was hängen. Wirkliche Reisende mit echten Blogs. Und wenn ein paar zusammen gekommen sind, werde ich sie künftig hier vorstellen. (Immer so zwei, drei pro Folge…)

Es sind sicher die nicht besten, die es im Web gibt – die kenne ich womöglich noch gar nicht. Das ist auch nicht so wichtig. Die meisten Blogger schreiben hier ja nicht als Journalisten oder Schriftsteller. Sie berichten einfach für die Lieben daheim (oder vielleicht sind die Lieben ja auch gerade unterwegs …). Sie erzählen und zeigen in Fotos, was sie gerade so erleben und wie es ihnen geht. Und darum geht es ja beim Bloggen. Und wir können dabei sein.

 

Mit dem Rad nach Hongkong

Thomas und Valentin sammeln kein Geld für eine Hilfsorganisation und erwarten von ihrer Reise keine spirituelle Erleuchtung. Schreiben sie über sich – was sie schon mal richtig sympathisch macht. Nichts gegen Charity und die Weisheiten Asiens, aber dass Leute einfach aus Reiselust losfahren, ist heute ja eher ungewöhnlich, ebenso dass sie sich für ihre monatelange Abwesenheit nicht irgendwie glauben rechtfertigen zu müssen. „Wir wollen keine Rekorde brechen – es dient nur dem Fahrspaß“.

Am 3. April sind sie aufgebrochen, gerade genießen sie die Sonne in Griechenland. Dort sind Lidl-Parkplätze auch mal überdacht, was sie als Hinweis dafür nehmen, dass es im Sommer in der Gegend brutheiß werden wird. Ich finde ihr Vorhaben sportlich: Tagesetappen von 130 km haben sie geplant, nach 15.700 km wollen sie Ende Juli in Hongkong ankommen.  Ihr Blog: goeast

 

There Will Be Flood

Anita und Simon hat es in den letzten zwei Wochen ein wenig die Sprache verschlagen. Kann man verstehen, wenn man die Bilder sieht, die sie bis dahin aus Südthailand gepostet haben: Nichts als Fluten, Regengüsse, Überschwemmungen. „Umgekippte Lastwagen und Autos, das Land unter einer braunen Soße.“ Da muss man sich schon mal frisch sortieren. Gut, dass die Beiden sehr flexibel los gezogen sind: „Wir reisen ungeplant, organisieren vor Ort die weiteren Etappen und Ausflüge und lassen uns überraschen.“ Wahre Reisende. Wünschen wir ihnen, dass sie nicht nur – möglichst trocken – weiter reisen, sondern auch darüber bloggen. Mehr im  Reiseblog von Anita und Simon

 

Leon zwischen Party, Poker und Killing Fields

Also, zuerst hat Kumpel Niki ihn verführt, „dem Glücksspiel nachzugehen“. Das war in Sihanoukville, Kambodscha, und auch dort goss es so heftig, dass man schon mal auf andere Gedanken kommen konnte. Aber: ganz schlechte Idee. Zumindest Kumpel Niki verlor im Casino eine „nicht unerhebliche Summe“. Also fuhren sie „spontan“ mit dem Bus nach Phnom Penh, besorgten sich Schnapsm, die FLasche zu umgerechnet 80 Cent, und „tanzten bis in die frühen Morgenstunden“. 

Und als sie ausgeschlafen hatten, ging es zum „Völkermordmuseum Toul Sieng“. Das hat Leon dann aber so beeindruckt, dass er darüber in vielen Fotos und vielen Zeilen berichtet. Leon ist 19, aus Schleswig-Holstein, hat gerade Abitur gemacht und sich entschlossen, „ganz auf mich allein gestellt die Welt zu bereisen“. Das Geld hat er sich bereits während der Prüfungszeit selbst verdient: „Es ist einfach ein besseres Gefühl, sei eigenes Geld für seinen Traum auszugeben.“ Leon scheint mir für seine jungen Jahre schon ein recht weiser Reisender zu sein. Mehr bei Leon auf Weltreise!

 

 


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