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Das Hotel der Utopie: Museumotel in den Vogesen

Es gibt Hotels in Leuchttürmen, auf Hafenkränen und in ehemaligen Gefängnissen. Man kann in Baumhäusern wohnen, in Atombunkern, in Luxuszelten oder auf Frachtschiffen, die in einem Hafen fest vor Anker gegangen sind. An außergewöhnlichen bis exzentrischen Herbergen herrscht kein Mangel.

Und dann gibt es das Hotel de l’Eau Vive, das sich heute auch „Le Motel de l’Utopie“ nennt oder kurz: Museumotel. Und beide Namen treffen zu: Das Haus ist eine verwirkliche utopische Vision und gleichzeitig ein Museum seiner selbst. Aber ein sehr lebendiges.

Die Geschichte beginnt in den 60er Jahren, in einer Zeit, als die Zukunft leuchtete und Utopien nicht bloß Science-Fiction waren, sondern konkrete Bilder einer anderen, besseren Zukunft. Der junge Schweizer Architekt Pascal Häusermann zum Beispiel entwarf, tja, keine Häuser, sondern Gebilde zum Wohnen, rund, kurvig, wie aus der Zukunft herbei gezaubert oder vielleicht auch wie aus einer fernen Galaxie gelandete Raumschiffe. Er nannte sie bulles – Blasen. Er experimentierte mit Betonbautechniken, die ohne Stützen auskamen, entwarf Räume, die halb Hobbit-Höhle, halb Startrek-Raumschiff sind, dekoriert im Pop Art-Stil der 50er und 60er Jahre.


 

 

 

 

 

 

 

In Râon l’Etape in den Vogesen baute Häusermann 1967 das Hotel de l’Eau Vive – ausgerechnet in der stillen, beschaulichen Provinz Nordostfrankreichs. Es liegt zwischen zwei Flussarmen auf einer Insel, ist nur über eine Brücke zugänglich, eine Enklave, eine Rückzugsort in der Natur und gleichzeitig eine experimentelle Nische.

Das Hotel wechselte einige Male den Besitzer und stand sogar mehrere Jahre lang leer, von Grün überwuchert und dem Verfall preisgegeben. Seit 2003 wird es wieder bewohnt, zunächst privat. Dann, 2007, erwirbt  eine Gruppe fünf junger Enthusiasten das Anwesen und eröffnet es neu als Museumotel – komplett restauriert und modernisiert, aber ganz im Geist der 50er und 60erJahre: Architektur, Design, Farben, Einrichtung – alles ist sorgfältig erneuert, nur die Technik für Bäder und Heizung stammt von heute. Neun Bulles sind als Gästezimmer eingerichtet, für jeweils zwei bis fünf Personen. Im Hauptgebäude gibt es ein Café, auch für Tagesbesucher, dazu versuchen die Betreiber, mit Kunst- und Fotoausstellungen auf sich aufmerksam zu machen.

Alle Fotos: © SARL Museumotel – SCI Modules

Man könnte also gut eine seiner nächsten Wandertouren in die Vogesen verlegen, tagsüber durch die Berge zwischen Elsass und Lothringen streifen, die noch immer nach 19. Jahrhundert duften mit ihren Dörfern und abgelegenen fermes – und abends zurückkehren in eine Wohnkugel des 21. Jahrhunderts, die Mitte des 20. Jahrhunderts einem äußerst kreativen Geist entsprungen sind.

Auf der Website des Hotels findet ihr neben Preisen und praktischen Infos auch ausführliche Texte (französisch und englisch) über das Projekt, seine Geschichte, den Architekten und seine ästhetischen und architektonischen Visionen, dazu alte und neue Fotos und eine Menge Links, zum Beispiel zu Youtube-Videos.

3 Kommentare zu “Das Hotel der Utopie: Museumotel in den Vogesen

  1. Isolde Merkel

    Hallo!
    Leider kann ich kein Französisch!
    Können sie mir Beschreibung, Informationen und Preis in Deutsch schicken?

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