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Neue Hotelportale: Schau ins Zimmer, bevor du buchst

Hotelportale wie HRS oder hotel.de sind praktisch. Wenn sie nur nicht so unglaublich dröge daher kämen: lesefreundlich wie Versicherungsformulare, mit Bildchen, gegen die Briefmarken XXL-Format haben, und so übersichtlich wie der Schreibtisch eines überforderten Justizhilfssekretärs.

Es geht natürlich auch anders. Erst neulich habe ich Hotelhaiku vorgestellt – Hotelbuchung mit japanischer Poesie, guten Fotos und dem Mut, das Meiste einfach wegzulassen. Jetzt habe ich mir zwei Portale angeschaut, von denen man noch hören wird, sage ich jetzt mal. Denn sie treten auf dem überfüllten Markt der Hotelportale mit neuen, originellen und frischen Ideen an.

room77.com

Als „erste Hotelzimmer-Datenbank und Suchmaschine“ trat room77.com im Februar 2011 an. Das Konzept: Der suchende Gast gibt einige Wünsche an wie Aussicht, Etage, Entfernung vom Aufzug, Zimmer mit Verbindung oder ohne, und die Website liefert passende Zimmernummern (in Grün), einigermaßen passende (in Gelb) oder eben Räume, die den Suchkriterien gar nicht entsprechen (in Rot). Dazu bekommt man Lagepläne von Stockwerken zu sehen sowie die Aussicht aus dem gewählten Zimmer – erstellt per Google Earth. Alles bereits auch in einer App fürs iPhone.

Und woher stammen die Daten? Room77 holt sie von den Hotels direkt und von seinen Usern – die sollen sogar als sleuths mitwirken, als Detektive bzw Schnüffler: Zimmer fotografieren, Lagepläne einschicken, Infos liefern. Derzeit sind rund 460.000 Zimmer in 2500 Häusern erfasst, allerdings nur in den USA, Kanada und Mexiko. Bis Ende 2011 wollen die Betreiber eine Million Zimmer anbieten können. Wer zum Beispiel Berlin oder Paris eingibt, bekommt bereits einige Hotels gelistet, aber noch mit dem Vermerk coming soon.

Mit den Informationen kann der Gast immerhin schon bei der Buchung – room77 verlinkt zu den Hotels – einen konkreten Zimmerwunsch angeben. Eine Garantie, sein Wunschzimmer auch zu bekommen, gibt es jedoch nicht.

 

checkyourroom.com

Welcher Gourmet-Typ ich bin, wollen die wissen: Gourmet French, Italian Classics, Spanish Tapas. Und wer mein Held ist: George Clooney, James Bond, Steve Jobs, Frank Sinatra. Ob ich gern ausgehe und wohin, welche Musik mir gefällt, welche Kunstrichtung ich mag. Aus den Lifestyle-Fragen bastelt das WhatRoomAreYou-Quiz dann mein Hotelgast-Profil: eher Business oder Urlaub, aktiv oder lazy, Großstadt oder Country. Und bietet mir eine Reihe von Hotels in Europa an, die meinem Profil entsprechen.

Das Quiz ist ein pfiffiges Feature der neuen Hotelsite checkyourroom – auch wenn das Raster etwas grob ausfällt, und für Leute, die sich ungern in Raster stecken lassen, ist es allenfalls eine nette Spielerei. Genauer wird man aber als Hotelkunde mit dem Hotel Concierge fündig: Eine Fragenliste, die man ausfüllt und abschickt, worauf sich ein Mitarbeiter von Checkyourroom mit Angeboten meldet. Dieser Service ist kostenpflichtig. Bei 30 Euro geht es los.

Egal, wie man auf checkyourroom sucht – es geht auch ganz klassisch, über Hoteltyp, Hotelnamen, Städte, Preiskategorie, usw –, der Clou ist eindeutig: Man kann sich genau das Zimmer buchen, das man selbst ausgewählt hat, ob mit Beratung oder ohne. Die Betreiber versichern, das biete bisher keine andere Hotel-Site.

Wer jetzt glaubt, er könne hier mal schnell ein günstiges Hostelbett abgreifen, wird schnell merken, dass er hier verkehrt ist. Im Angebot sind ausschließlich Luxus- und Boutique-Hotels. So heißt die günstigste Preisklasse, die man eingeben kann: Unter 300 Euro. Über 1000 Euro ist nach oben alles offen.

Klar, dass checkyourroom eine zahlungskräftige Kundschaft im Blick hat. Menschen, die keine Zeit haben, lange im Netz nach einem schönen Hotel zu suchen, aber genug in der Kasse, es zu bezahlen, samt der Dienstleistung, es zu finden.

Im April 2011 ging das Projekt online, derzeit hat die Site 250 Häuser mit rund 10.000 Zimmern in der Datenbank. Die Betreiber – Webentwickler, Fotografen, Touristiker – sitzen in Paris. Alle Hotels und alle Zimmer seien carefully handpicked, geben sie an. Jedes einzelne Hotel hätten sie besucht und angeschaut. Das solle auch so bleiben. Das Angebot werde zwar stetig ausgebaut, aber Qualität werde immer wichtiger sein als Quantität. CEO und Gründer Pascal Paluel-Marmont: „Wir sind stolz, eine kleinere Auswahl von Hotels und Zimmern im Angebot zu haben. Denn wir können garantieren, dass jedes einzelne Zimmer aus unserer Sammlung außergewöhnlichen Charme und Charakter aufweist.“


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