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Badehäuser am Bodensee: Schwimmen gehen mit Stil

Die Top-Meldung dieser Woche lautet eindeutig: Der Bodensee hat 20 Grad Wassertemperatur – und ist derzeit wärmer als das Mittelmeer. Sauberer sowieso: Die Wasserqualität ist so gut, dass sogar die Fischer jammern. Weil extrem wenige Nährstoffe in den See gelangen, wachsen die Felchen nicht mehr so gut heran, wie sie sich das wünschen.

Strandund Freibäder gibt es rund um den See, in jeder Gemeinde und jedem Dorf. Eine Übersicht mit Google-Karte findet man zum Beispiel beim Bodenseepeter.

Man muss am See aber nicht unbedingt auf einer Decke im Gras oder in einem Liegestuhl liegen, es geht auch stilvoller: In historischen Badehäusern. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hat man am See überall Seebadeanstalten errichtet. Man sorgte sich um die Hygiene und die guten Sitten: Männer und Frauen, die gemeinsam irgendwo ins Wasser hüpften, das ging damals nicht. So wurden prächtige Holzbauten auf Pfählen vor die Ufer gestellt, Bademeister und Aufsichten eingestellt. Bald lockten die Badehäuser auch Feriengäste an – die ersten Attraktionen im entstehenden Fremdenverkehr und Kurbetrieb.

Leider, leider: Die meisten dieser stimmungsvollen Holzbauten sind verschwunden. Die meisten, aber nicht alle. Drei historische Badehäuser stehen noch und sind in Betrieb, in Bregenz ist sogar ein modernes Badehaus neu gebaut worden.

Mili Bregenz

Mili, das ist zivile Version von Militärbad. Es ist das erste Badehaus am Bodensse, 1825 nach Plänen eines Unterleutnants Schilling gebaut. Die zum Militär gezogenen Rekruten lernten hier Schwimmen. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts wird nun ganz friedlich gebadet und für das Bad bürgerte sich der ganz unkriegerische Name „Mili“ ein. Nach einem Brand hat man in den 80er Jahren beide Flügel neu errichtet. „Hier können Sie noch baden wie vor 100 Jahren“, heißt es auf der Website der Stadtwerke Bregenz, die das Badehaus betreibt. Der U-förmige Bau steht mit dem Rücken zum Land, man kann direkt in den See hinaus schwimmen und nach dem Bad so lange faul herumliegen, bis die Sonne stimmungsvoll direkt vor einem im See versinkt.

Badhütte Rorschach

Es gibt noch immer einen Männer- und einen Frauentrakt, Frauen nach rechts, Männer nach links – und viele Stammgäste haben sich noch nie in den Bereich des anderen Geschlechts gewagt. Alte Gewohnheiten. Als die Badhütte 1924 – an der Stelle älterer Badeanstalten – eröffnet wurde, bezeichnete der Dekan von Rorschach sie als „Vorhölle“ (die Hölle waren die Strandbäder). Doch alles katholisch-reaktionäre Eifererturm half nichts: Auch die Schweizer und ihre Gäste gingen und gehen furchtbar gern im See baden. Heute ist die Badhütte das einzige noch erhaltene Badehaus am Schweizer Bodenseeufer. Infos & Geschichte.

Äschacher Bad

Äschach ist ein Ortsteil von Lindau, wir sind hier in der freistaatlich-bayrischen Ecke des Bodensees. Das Bad von 1911 hätte Ende der 70er Jahren fast sein Ende erlebt. Die Stadt Lindau wollte den Betrieb des idyllischen Holzbaus nicht mehr weiter finanzieren. Es bildete sich ein Verein, der das Äschacher Bad bis heute betreibt – und es gerettet hat. Alle 99 Holzpfähle, auf dem der Bau steht, mussten zum Beispiel im Lauf der Jahre durch Neue ersetzt werden. Rund 100.000 Euro hat die Initiative in knapp 30 Jahren in das Bad gesteckt, dazu unzählige freiwillige Arbeitsstunden. Die 200 Vereinsmitglieder, meist ältere Badefreunde, genießen natürlich Vorrechte, aber Gäste sind immer willkommen. Die Geschichte des Bades hat die Bürgerzeitung Lindau aufgeschrieben.

Seehotel am Kaiserstrand bei Bregenz

Vorarlberg, das westlichste Bundesland Österreichs, ist für seine moderne Architektur berühmt. In Bregenz, der am Bodensee gelegenen Hauptstadt, hat zum Beispiel der Stararchitekt Peter Zumthor das Kunsthaus gebaut, eines seiner markantesten Werke. Ein neues Hotel macht nun ebenfalls mit gelungener, moderner Architektur von sich reden: Im Vorort Lochau eröffnete im Sommer 2010 das Seehotel am Kaiserstrand (ein 100jähriges Gebäude wurde modernisiert und zum Hotel umgestaltet) – mit einem spektakulären Badehaus. Ein filigraner Bau aus Weißtanne, im reduzierten, schlichten und sehr eleganten Stil der Vorarlberger Moderne. Das Badehaus, neu interpretiert, Version 21. Jahrhundert. Info: Das Badehaus steht auch Nicht-Hotelgästen offen (8 Euro/Tag). Von 9 bis 18 Uhr herrscht Badebetrieb (mit Gastronomie, Unkleiden, Duschen), danach werden Sundowner und Aperitifs serviert. Anruf empfiehlt sich, wenn man nicht wegen einer geschlossenen Gesellschaft vor verschlossener Tür stehen will.

Fotos: Stadtwerke Bregenz, Tourismus Rorschach, Wikipedia, Seehotel am Kaiserstrand

2 Kommentare zu “Badehäuser am Bodensee: Schwimmen gehen mit Stil

  1. bernd schimanski

    Hallo zusammen,
    ich bin eher zufällig auf diesen Blog gestoßen. Wenn ich mir die Fotos anschaue, merke ich, wie sehr ich den Bodensee und die Region rund um die herrlichen Berge vermisse. Hier im Hessischen Hinterland sind zwar auch schöne Berge, aber das Klima ist anders. Während meiner rund 10 jahre in Baden-Württemberg habe ich viel Zeit am See und in den Bergen verbracht. Für Radfahrer wie mich, genau der richtige Landstrich. Nur am Wochenende sollte man als Radfahrer den Bodensee etwas meiden, denn dann strömen tausende von Touristen durchs Land. Dann ist Bummeln oder an der Promenade entlang schlendern genau das Richtige.

    Liebe Grüße
    bernd schimanski

    P.S. Das See-Hotel bei Bregenz ist ein unbedingtes Muss für alle Seefreunde und am Voralberger Land kommt eh kein Mensch vorbei. Wenn das Buch der 1000 Orte, die man vor seinem Abschied von der Erde gesehen haben muss, neu aufgelegt werden sollte, muss das Seehotel unbedingt dabei sein.

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