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Werbung und Wirklichkeit: Oyster.com enthüllt Foto-Tricks von Hotels

 

Eine Bikini-Schönheit kommt immer gut. Damit sieht ein Ferienresort in der Karibik gleich deutlich attraktiver aus. Hotels wissen das natürlich. Deshalb bevölkern die Webseiten von Hotelketten so auffallend viele Models in knappen Badesachen. Aber das ist nur ein – auch noch recht plumper – Trick in der Hotelwerbung. Jeder ordentliche Fotograf weiß, dass ein Pool viel größer wirkt, wenn man unten den Beckenrand nicht sieht. Oder man arrangiert ein gewöhnliches Hotelzimmer mit Blumengestecken, Obstkörben und viel indirektem Licht zu einer VIP-Suite um. Und was der Fotograf nicht inszenieren kann, liefert Photoshop: weiches Licht, leuchtende Pools, blitzendes Geschirr, appetltliche Bufetts.

Fertig ist das Traumhotel. Wenn da nicht oyster.com wäre.

Die Auster (= oyster) ist ein US-Hotelportal, das sich einen Spaß daraus macht, die Manipulation hinter den perfekten Fotos zu zeigen. Photo Fakeouts nennt sich die Bilderserie, die auf oyster.com am häufigsten geklickt wird. Links der Werbeschmus, rechts Ansichten, wie sie ein Hoteltester von oyster.com angetroffen und fotografiert hat. Die Kontraste könnten meist peinlicher nicht sein.

Nun betreibt Oyster.com das Spiel nicht nur aus Spaß an der Freude. Hinter dem Portal steckt ein Startup, das angetreten ist, im hart umkämpften Markt der Online-Hotelbuchungen kräftig mitzumischen. Rund 20 Millionen Dollar an Investitionen haben die Betreiber in diesem Frühjahr eingesammelt. Bei oyster.com kann man selbstverständlich Hotels buchen. Soll man sogar – oyster.com will natürlich an den Provisionen verdienen. Nur eben soll der Kunde nicht von kunstvoll arrangierten und optimierten Bildern verführt oder gar übers Ohr gehauen werden.

Oyster.com schickt stattdessen anonyme Hoteltester in die Häuser. Die liefern dann einen ausführlichen Bericht – samt Fotos. Aufgrund ihrer Tests vergeben die Oyster-Macher „Perlen“ – ihre Version der Hotelsterne. „Wir sind nicht darauf aus, Hotels zu erwischen“, sagt eine Redakteurin von Oyster.com. „Aber wenn wir irreführende Werbefotos entdecken, dann setzen wir auf Ehrlichkeit und Transparenz.“

Die Strategie zielt darauf ab, eine Qualitätslücke zu füllen. Oyster.com will zeigen, auf was man sich gefasst machen muss als Gast – selbst in einigen Ritz Carltons oder Four Seasons. Und man will ebenso beweisen, dass aufwendige Hoteltests dem Kunden bessere Infos liefern als die Kakophonien der Hotelbewertungs-Portal – wo man ja nie weiß, wer die Bewertungen einstellt und mit welchen Motiven.

Etwa 40 Hotels und Resorts hat oyster.com derzeit im Angebot – ausschließlich in den USA und der Karibik und ausnahmslos Ferienanlagen. Wer also in Miami oder auf den Bahamas einen Urlaub plant – reinschauen lohnt sich. (und in Klammern: Wo sind die Startup-Gründer, Entrepreneure, Internet-Pioniere, die etwas Vergleichbares in Deutschland auf die Beine stellen?)

Das Clubhotel Riu Negril auf Jamaika – das mit der Bikini-Schönheit ganz oben – hat aus der PR-Panne übrigens schon gelernt. Von seiner eigenen Website ist das gebräunte Model im weißen Bikini verschwunden. Stattdessen zeigt das Hotel neben seinen eigenen Fotos nun auch Bilder, die Hotelgäste auf flickr eingestellt haben.

Alle Fotos: screenshots




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