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Eric Lafforgue: Reisen und mit der Kamera die Welt erkunden

Zuerst hat Eric Lafforgue das Kind, das die Frau vom Stamm der Mwila bei sich trug, gar nicht gesehen. Nur eine blaue Mütze ragte aus ihren Kleidern. Dann zeigte sie ihm ihr Baby, ein Albino-Mädchen. Als Eric ihr „die Magie von Polaroid“ vorführte, stand sie ihm stolz für ein Foto Modell.

Albinos kommen bei den Stämmen in Angola häufig vor, berichtet Eric. Vielen geht es gesundheitlich schlecht, sie vertragen die Hitze nicht. „Vielleicht ist dies das bewegendste Foto, das ich je aufgenommen habe. Denn in dieser entlegenen Gegend von Afrika steht dem Albino-Kind nicht die glücklichste Zukunft bevor.“

Es wäre das bewegendste Foto von mehr als 10.000, die er allein bei Flickr veröffentlicht hat. Eric Lafforgue reist und fotografiert unaufhörlich. Vor fünf Jahren war er noch Manager einer Firma für Klingeltöne. Dann übernahm ein Konzern sein Unternehmen, und er wurde wie das gesamte Management gefeuert. „Danach wollte ich meine Kreativität ausleben, wollte etwas von der Welt sehen. Und so wurde ich Fotograf.“ Als Autodidakt.

Nun freut sich Eric Lafforgue, dass ein Magazin zum ersten Mal ein Portfolio seiner Bilder gedruckt hat: Im neuen, eben erschienenen GEOSAISON sind ausgewählte Fotos von ihm zu sehen. Und in einem genauso farbigen Interview, das mein Kollege Dirk Lehmann mit ihm geführt hat, berichtet Eric freimütig und lebendig von seinen Reisen. Das ganze Interview und die Fotos in GEOSAISON bekommt man auch hier.

Zum Beispiel drückt er Menschen, die er fotografieren möchte, manchmal ein iPad in die Hand, um ihnen seine Bilder zu zeigen. So auch einem Stammesführer in Angola. Zunächst befürchtete Eric, der Mann würde es zerstören, „doch er benutzte es völlig selbstverständlich“. Im Norden Thailands fotografiert er in einer Region ohne Strom. Kurz darauf schreibt ihm eine Frau per Mail, dass sie sich auf einem Foto erkannt hatte. Sie arbeitete in einem Hotel und war dort online. Eric hat auch schon erlebt, „dass man mich bereits kannte, als ich einen Stamm besuchte, um da zu fotografieren. Man hatte mich schlicht gegoogelt.“

Zu seinen Fotos sammelt Eric Lafforgue ausführliche Informationen. Er interessiert sich für die Menschen, ihre Traditionen und Lebensweisen – er arbeitet wie ein Ethnograph.

Aber das was er mitbringt, ist die Arbeit eines Poeten.

Eric Lafforgue im Web und bei Twitter.



 

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