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Luxus-Hostels in Europa: ein Blogger auf Testreise

Duschen. Duschen machen Kash oft schlechte Laune. Wenn das Wasser nur tröpfelt oder wenn in der Etagendusche mal wieder alle gleichzeitig duschen wollen. Duschen sind ein Schwachpunkt von Hostels, meint Kash. Weshalb sie sich, wie es im Reise-PR-Sprech gern heißt, „neu erfinden“. Aber Kash ist nicht wasserscheu – er stellt sich auch mal in Klamotten unter den Strahl, wenn er zeigen will, dass es auch anders geht.

Kash Bhattacharya, 33, ist als Budget Traveller einer der populärsten Reiseblogger in Großbritannien. Derzeit tourt er durch Europa, von Hostel zu Hostel. Per Interrail. 50 Luxury Hostels wird er besuchen und testen, gerade ist er bei Nummer 18 angelangt. Und es geht ihm um mehr als nur die Duschen.

Der Blogger ist unterwegs, um das neue Segment der Luxus-Hostels vorzustellen. Es hat sich ja ein wenig herumgesprochen, dass da ein neues Marktsegment entsteht: Hostels wollen weg vom Image der Billigbetten für Backpacker, mit Stockbetten, Rucksackmief und Bier- und Gitarrenparty. Sie stylen sich auf, richten Design-Lounges ein, bieten Dachterrassen und vor allem: Zimmer mit eigenem Bad und guten Betten. Wobei der Basis-Service, Schlafsaal und Etagenbad für kleines Geld, erhalten bleiben soll.

Die Kundschaft wird älter und anspruchsvoller – Hostels müssen reagieren

Das ist auch Kash‘s Ausgangspunkt: Hostels, sagt er, richten sich heute an eine neue Klientel. An junge Berufstätige von 30 bis 40 Jahren, die einst selbst als Backpacker gereist waren. Die Hotels zu anonym, zu teuer, zu steif finden. Die aber dennoch Komfort wollen, die Privatsphäre eines eigenen Zimmers mit Bad, gutes Design, lockere Atmosphäre und den persönlichen Service an der Rezeption oder vom Concierge, der ihnen Stadtrundgänge maßschneidert, Clubs und Bars empfiehlt und weiß wo gute Bands auftreten und wo man die hippe Kundschaft zum Shoppen hinschicken kann.
Auf seinem Blog stellt Kash jedes besuchte Haus ausführlich vor. Und ausführlich bedeutet: Er spricht mit Angestellten, er lobt sie, wenn sie ihm freundlich und kompetent begegnen. Er treibt sich in der Nachbarschaft herum und beschwert sich über lahme Wlans, beschreibt wie er sich als Alleinreisender in großen Hostels fühlt, in denen vor allem Studentengruppen absteigen, vergibt Sterne fürs Frühstücksbuffet oder erzählt auch mal, wie sich das portugiesische Porto seit seiner letzten Reise dorthin vor acht Jahren verändert hat.

Wer bezahlt so ein Blog-Projekt?
Man darf hier nun keinen superkritischen Hostel-Tester erwarten. Denn Kash kommt nicht anonym. Die Hostels stellen ihm die Übernachtungen nicht nur gratis zur Verfügung (gängige Praxis im Reisejournalismus), nein: sie bezahlen ihn auch noch für seinen Besuch. Außerdem hat er eine Reihe von Sponsoren aufgetan, von Easyjet über Interrail bis Travelzoo.
Am Ende soll aus den 50 Hostel-Tests ein downloadbarer digitaler Guide  werden: Top 50 Luxury Hostels of Europe. Darin vertreten zu sein, dass ist den Hostels offenbar eine gewisse Investition wert.
Kash schreibt, dass er „zu 120 Prozent“ die redaktionelle Kontrolle habe, sonst würde das ganze Projekt nicht glaubwürdig durchziehen können.

Was taugen nun die Besprechungen? Eines scheint klar: Verrisse werden unter diesen Bedingungen kaum geschrieben werden. Dennoch sind Kash‘s Blogposts keine PR. Er schreibt konsequent in der ersten Person, zeigt Schwachpunkte auf, beweist eine gutes Auge für Details. Er nimmt sich ausführlich Platz auf seinem Blog, arbeitet mit Fotos und Videos. Er verschont uns mit Fachchinesisch und Marketingfloskeln und schreibt eher im angenehm nüchternen Reiseführerstil, auch wenn er bei einem Hostel anmerkt: Leute, fahrt da hin, ehe Lonely Planet es entdeckt hat.

Natürlich gibt es ihn auch auch auf Facebook und bei Twitter.

 

Ein Kommentar zu “Luxus-Hostels in Europa: ein Blogger auf Testreise

  1. Andersreisender

    „Die Kundschaft wird älter und anspruchsvoller“… ich habe mich schon gefragt, wann ich zu alt für eine Hostel-Übernachtung sein könnte. Mit meinen 34 Jahren zähle ich ja nichtmehr ganz zum „jungen Gemüse“. 😉 Aber ich glaube, diese Antwort kann man nicht pauschal beantworten.

    Dass die Kunden anspruchsvoller werden ist durchaus möglich – dann aber quer durch alle Altersschichten. Es wird sich allerdings ein Problem auftun: Billig und Luxus gehen nicht unbedingt zusammen.

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