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Matschepampe, graues Fleisch: Von Foodfotos und Bilderrechten

Hier stand bis eben ein Blogpost über Foodfotos auf Blogs, in dem ich meinen Unmut über die miserable Qualität vieler Essensbilder im Netz ausgedrückt habe. Illustriert war er mit einigen Bildern aus Blogs. Ich habe diese Bilder als Zitate verstanden, wobei mir klar war, dass ich mich auf dünnem Eis bewege. Natürlich hole ich bei Bildern aus dem Netz, die ich benutzen will, das Einverständnis der Urheber ein. In diesem Fall habe ich es bewusst nicht getan. Denn ich hätte auf die Urheber verlinken müssen und hätte genau damit dass erreicht, was ich nicht wollte: Sie persönlich an den Pranger zu stellen. Ich habe die Fotos als – anonymisierte – Bildzitate verstanden, gegen die ich argumentiere.

Aber ich muss einsehen, ich habe nicht gründlich genug nachgedacht. Die Urheber waren durch den Import in WordPress auf die eine oder andere Art  leicht zu identifizieren. Das will ich so nicht stehen lassen.

Deshalb habe ich den Blogpost gelöscht. Der Text allein hätte ohne Bilder keine Wirkung. Ich werde mir überlegen, wie ich auf andere Weise mit dem Thema umgehen kann.

Danke an alle Kritiker – auch wenn der Vorwurf „Bilderklau!“ nicht zutrifft.

8 Kommentare zu “Matschepampe, graues Fleisch: Von Foodfotos und Bilderrechten

  1. Alex | NIEDblog.de

    „Bilderklau“ trifft vielleicht nicht genau zu, mit deinem Verständnis vom deutschen Zitatrecht scheint es jedoch auch nicht allzu weit her zu sein. Denn ein korrektes Zitat ohne Quellenangabe gibt es auch beim Bildzitat nicht – das sind ja fast schon Springer-Praktiken! Von diesem rechtlichen Lapsus mal abgesehen, kann ich auch inhaltlich mit dir nicht konform gehen. Ich zitiere aus deinem ursprünglichen Artikel:

    „Aber haben wir nicht alle ein Bildbearbeitungsprogramm auf unseren Rechnern und Foto-Apps auf den Smartphones? Und damit soll es nicht zu machen sein, Bilder hinzukriegen, die zumindest kein stilles Würgen auslösen?“

    Bei allem Respekt, aber ist es nicht gerade das journalistische Handwerkszeug, die neutrale Objektivität und unbeinflusste Qualität (Transparenz), die du in deinem Entgegnungs-Artikel propagiert hast? Eben nichts schön zu wischen, um der Welt zu zeigen „Hey schaut her, mein geschminktes Abendessen“ oder „Mein gestyltes und nachbearbeitetes Dessert“? Jetzt mag man sich unter ästhetischen Gesichtspunkten darüber streiten, ob die dargebotenen Speisen Appetitanreger oder Zügler sind – ist es aber nicht das, was Blogs (und in meinem Verständnis auch den klassischen Journalismus) eben in Abgrenzung zur PR ausmachen sollte? Soll ich das Hotelzimmer erst saugen und dann digital nachbearbeiten, bevor ich es meinen Lesern vorstelle?

    Das ist nicht nur grotesk, sondern auch schizophren in Anbetracht deiner Kernaussagen der ersten Einlassung – ich nenne es mal den „Konterartikel“. Du sprachst selbst so herzerfrischen von den „Anwälten“ der Leserschaft. Die Einstellung klingt aus Mandantensicht nach einem reichlich bescheidenen Pflichtverteidiger!

    Im Nachsatz möchte ich noch einen Denkanstoß hinsichtlich der Punkte „Pressereisen“ und „kritikloses Jubeln“ geben: Ich erinnere an die Premierenkreuzfahrt der Hanseatic – leider nur noch partiell im Web zu finden. Ein Muster ohne Wert, was vor allem daran liegt, dass es nur ein Steinchen in deinem Journalismusmosaik darstellt. Nichts desto trotz finde ich das hohe Ross, von dem du teilweise herabsprichst, deinem Reitvermögen nicht angemessen. So viel Meinungsfreiheit sollte erlaubt sein. In diesem Sinne: Ich freue mich auf eine Fortsetzung der (hoffentlich sachlichen) Diskussion!

  2. bernd_schwer

    Alex, du wirfst mir Springer-Praktiken vor und forderst ein paar Absätze weiter eine hoffentlich sachliche Diskussion ein? Ich glaube, ich fange an zu verstehen, was du mit schizophren meinst.

    Wo bitte habe ich von „neutraler Objektivität“ gesprochen? Sowas gibt es im Journalismus nicht, im Reisejournalismus schon mal gar nicht. Wir gehen los, erleben und sehen Dinge, treffen Menschen, besorgen uns Informationen und geben dies durch unsere Brille an den Leser weiter, egal ob in Print oder in Blogs. Und fürs Schminken und Stylen sind die Food-Fotoprofis zuständig (die ja auch für die PR arbeiten), habe ich auch so geschrieben. Aber erklär mir mal, weshalb Leute – sinngemäß – „Yummi Food“ über ihre Texte schreiben und ihre Begeisterung durch absolut indiskutable Fotos gleich wieder in die Pfanne hauen? Sorry, dieser Kalauer musste sein.

    Was hast du an meiner – neun Jahre alten – Hanseatic-Geschichte auszusetzen? Bitte mal konkret. Dass das eine Pressereise war? Hab ich irgendwo geschrieben, dass Pressereisen per se schlimm sind? Nein, ich habe argumentiert, dass viele Blogger aus Pressereisen nichts machen – wie viele mediokre Printprodukte auch. Auch wir machen Pressereisen – ich kenne überhaupt nur eine einzige Redaktion in Deutschland, die das kategorisch ausschließt: den STERN (der Spiegel würde es sicher auch so handhaben, aber die haben kein Reiseressort). Doch es sind individuelle Pressereisen. Wir ergreifen die Initiative dafür und wir behalten die Kontrolle. Heike Kaufhold beschreibt ihre Arbeit ähnlich und wenn sie das so durchhält, alle Achtung! Das ist als Blogger wahrscheinlich noch schwieriger denn als Redaktion.

    Es gibt aber auch Pressereise und Pressereise. Was meistens gemeint ist, sind Gruppenpressereisen. Eine Destination, eine Hotelkette, eine Airline laden ein, fliegen eine Gruppe Journalisten (oder auch immer mehr Blogger) wohin und präsentieren sich in möglichst sonnigem Licht. Auch das finde ich legitim. Wir machen es bei Geosaison dennoch nur in wenigen Aushnahmefällen. Einfach weil du als Journalist auf solchen Reisen viel vorgeführt bekommst, aber wenig in die Tiefe recherchieren kannst. Du hast unterwegs kaum Zeit für Gespräche, kannst einen Aspekt, der auftaucht, nicht nachgehen, weil schon das nächste Hotel, die nächste Attraktion, die nächste Location irgendwo warten. Und das gibt für ein Magazin, wie wir es machen, nichts her.

    Aber meine Entgegnung auf Koeln Format habe ich nicht geschrieben, um unsere Arbeitsweise zu bejubeln. Ich wehre mich nur dagegen, unter dem Titel Arschlecken Print in einen großen Pott gesteckt zu werden. Usw usf

    Sachlich genug?

  3. Alex | NIEDblog.de

    Schon der erste Satz lässt mich erschaudern, denn – wenn man die Erbsenzählerei mal weiter betreibt – werfe ich dir keine Springer-Praktiken vor, sondern sage im klaren kontextuellen Zusammenhang eines „Zitat(es) ohne Quellenangabe“, dass dies „ja fast schon Springer-Praktiken“ seien. Ein kleiner, wenn auch feiner Unterschied!

    Deine Meinung zu Food-Fotos greift bei mir immer noch nicht so ganz durch. Einerseits weist du die Zuständigkeit für toll gestylte und geschminkte Werke den PR-Profis zu, andererseits nennst du die häufig normalen (unbearbeiteten) Veröffentlichungen der bloggenden (meist Laien-)Zunft indiskutabel. Was erwartest du dann? Eine ästhetische Selbstzensur? Lieber nichts zeigen als die Wahrheit? Ich habe die von dir „zitierten“ Beispiele – und überdies natürlich viele Hundert andere – betrachtet und muss gestehen: es sieht nicht immer alles nach ‚haute cuisine‘ aus. Meiner Meinung nach muss es das aber auch nicht, denn die subjektive Individualität ist ja gerade das, was uns Blogger ausmachen sollte. Sicher denk ich mir manchmal „Und das findet der jetzt wirklich toll/megalecker/supergeil/stylisch?“ Genau auf diese Weise offenbart sich aber erst, was die wahren Gedanken des Bloggers sind. Ob sich ein Leser mit ihm identifizieren kann und seine Gedanken teilt, ob ein Blog zum Leser „passt“.

    Erst kürzlich las ich einen Artikel über „verdammt köstliche Quallen“ – das klang (FÜR MICH!) nicht nur ekelhaft, sondern sah auch so aus. Und doch wird auch dieser Beitrag und diese konkrete Darlegung ihre Anhänger finden, denen begeistert das Wasser im Mund zusammen läuft. Ich finde das ganz großartig eine bunte Bloggerszene zu sehen, die völlig unterschiedliche Ansprüche, Ansichten und (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschmäcker besitzt.

    Ist es nicht in allen Bereichen so? Blogger A zeigt sein neues Zelt im Festivalmatsch und kommentiert voller Stolz „Ist das nicht geil?“, während der luxusorientierte Zufallsleser mit den Augen rollt und voller Freude bei Blogger B landet, der gerade einen Artikel über seinen Aufenthalt im sterilen Hotelpalast mit persönlichen Butler vorstellt. Da war dein Artikel natürlich ein Produkt der Meinungsfreiheit, die ich hier auch gar nicht beschneiden möchte – aber warum muss man dabei despektierliche Schlagworte wie „Matschepampe“ der Meinungsfreiheit anderer (der betreffenden Blogger) entgegen werfen? Das meinte ich mit dem hohen Ross. Nimm deinen Anspruch nicht als das Maß aller Dinge oder Maßstab für andere!

    Deine (zugegeben in die Jahre gekommene) Hanseatic Geschichte ist mir vor einigen Monaten mal zufällig in Gänze vor die Füße gefallen und ich fand die gesamte Aufmachung deines Verlages mehr als grenzwertig – die in Teilen gelungene journalistische Arbeit verkam durch einen (zumindest subjektiv wahrgenommenen) PR-Beigeschmack arg zur Werbeschleuder. Ich bezog das auch eher auf „Wow, ich bin im tollsten Hotel der Welt! Am tollsten Strand der Welt! In der Wahnsinns-Stadt!“ – eine ähnliche Empfindung überkam mich beim Lesen nämlich. Stellen wir das mal dahin, so ist wohl auch jedem Blogger klar, dass geführte und durchgeplante Blogger-/Pressereisen ein zweischneidiges Schwer sind. Es ist eine gute Gelegenheit trotz fehlender Budgets eine grobe Fassadenbetrachtung der Glitzerwelt zu erhaschen, aber für einen eigenständigen Blick hinter die Kulissen bleibt oft keine Möglichkeit. Hier bedarf es auch eines Umdenkens bei den PR-Agenturen: weniger ist manchmal mehr! Eine 4-tägige Blogger-/Pressereise sollte niemals 4 Tage durchgetrimmtes Programm besitzen, sondern mindestens 30-50% zur individuellen Recherche bieten. Niemandem ist geholfen, wenn im Anschluss 10 Blogger / Magazine / Zeitungen die selben Stories erzählen und die selben Fotos aus fast identischer Perspektive veröffentlichen. Da hilft es auch nicht, dass man sich ein Blogger-Potpourri aus verschiedenen Ländern zusammengestellt hat. Womit wir wieder beim Thema Individualität wären… Es ist eben für alle Beteiligten noch ein Lernprozess und erst mit der Zeit wird das Vertrauen und die Erkenntnis wachsen, dass man auch Blogger mal alleine ziehen lassen kann und trotzdem (oder erst recht!) brauchbare Geschichten bekommt. Ich gehe auch lieber initiativ auf Fremdenverkehrsbüros oder Agenturen zu und erkunde einen Ort dann mit individuellem Ansatz auf eigene Faust – das ist aber nunmal budgetmäßig nicht immer und überall (für jeden) drin. Die zukünftige Arbeitsweise wird sich wohl irgendwo in der Mitte (in einer Mixtur, wie eben angedeutet) einpendeln – teils geplant, teils eigenständig.

    Es gibt in allen Bereichen schwarze Schafe und niemand will in einen Pott mit dem Titel „Arschlecken“ gesteckt werden. Auch ich bin kein Freund von Pauschalverurteilungen, auch wenn ich meine, dass bei dir und Heike (metaphorisch) zwei Welten aneinander vorbei geprallt sind. Insofern kann ich deine Entgegnung sogar emotional nachvollziehen, in Teilen schlägt mir (insbesondere beim nun editierten Food-Artikel) persönlich jedoch etwas zu viel scheuklappenartige Arroganz durch.

  4. bernd_schwer

    Alex, nur eine kurze Anmerkung: der Verlag hat mit der Aufmachung einer solchen Geschichte nichts zu tun, das besorgt die Redaktion.

  5. FotoRagazzo

    „Natürlich hole ich bei Bildern aus dem Netz, die ich benutzen will, das Einverständnis der Urheber ein. In diesem Fall habe ich es bewusst nicht getan.“

    „Danke an alle Kritiker – auch wenn der Vorwurf “Bilderklau!” nicht zutrifft.“

    Mal von der Wortwahl abgesehen, manche machen sich anscheinend das Recht oder Unrecht gerade so passende wie sie es für nötig erachten, sie drehen es sich anscheinend so hin, wie es ihnen am besten ins Konzept paßt … So kommt es mir vor.

    Ein Unrechtsbewußtsein? Wohl nur latent vorhanden …

  6. Hans

    „Ich habe die Fotos als – anonymisierte – Bildzitate verstanden, gegen die ich argumentiere.
    Aber ich muss einsehen, ich habe nicht gründlich genug nachgedacht. Die Urheber waren durch den Import in WordPress auf die eine oder andere Art leicht zu identifizieren. Das will ich so nicht stehen lassen.“

    Haha. Auch hier kann sich der Autor einen gesunde Prise Arroganz natürlich nicht verkneifen. „Anonymes Bildzitat“ muss ich mir merken.

  7. Simon

    An den Autor.
    Mir ist unklar, weshalb du dich so angegriffen fühlst. Deine Argumente gehen in Ordnung und sind, wenn auch in diesem Fall nicht für mich, nachvollziehbar.

    Das Niveau deiner Argumentation ist allerdings meines Erachtens unterirdisch. Wobei ich deiner Art zu Argumentieren ebenfalls entnehme, dass dir meine Meinung egal ist.

    Zahlreiche deiner Leser, mich eingeschlossen, hegen gewisse Bewunderung an einen der GEO Saison Redakteure. Du hättest diese Argumentationsweise also nicht nötig. Sie wirft ein schlechtes Licht auf dich, als auch auf „deine“ Zeitschrift. Leider.

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