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Korsikas Bergstraßen: einfach tierisch

Autofahren auf Korsika, da darf man sich auf Überraschungen gefasst machen. Die Insel ist im Grunde ein einziges Gebirge, das aus dem Meer ragt, und deshalb fährt man auch, sobald man die Küstenstädte verlässt, praktisch nur noch auf Bergstraßen. Auf meist sehr schmalen Straßen mit, wie die Chinesen sagen: 10.000 Kurven. (10.000 war im klassischen China die Formel für Unendlich.) Dort können die überraschenden Begegnungen drei Formen annehmen: 1. Ungestüme Jungmänner, die dir in aufgemotzten Kleinwagen entgegen rasen und grundsätzlich jede Kurve schneiden. 2. Touristen, die in nervenaufreibender Langsamkeit vor dir her gondeln, 2a. weil sie natürlich völlig zu Recht die Aussicht genießen wollen oder aber 2b), weil sie sich nicht trauen, schneller als 26 km/h zu fahren. Gern auch in Wohnmobilen, und wenn du so einen vor dir hast, weißt du: bis zum nächsten Abzweig, also in etwa einer Stunde, wirst du hinter dem hängen bleiben.

Dann aber 3. Tiere. Die Korsen sind berühmt für ihre chochons sauvages, frei umherschweifende Schweine. Lest es nach bei Asterix auf Korsika. Die geben köstliche Würste und Schinken ab, aber bevor das soweit ist, dürfen sie, was Touristen auch gern tun: die Landstraßen bevölkern. Allein, zu Zweien oder in ganzen Rotten.

Die Sau, die sich den Mittelstreifen als Schlafplatz ausgewählt hatte, zuckte nicht mit den Ohren oder mit sonstwas, als ich ganz langsam und vorsichtig um sie herum fuhr. Könnte ja jeder vom continent einfach daher kommen.

Der junge Stier war so, wie Kühe hier immer sind. Wahnsinnig neugierig, einerseits. Aber auch sehr missstrauisch. Es reicht schon, die Autoscheibe herunterzulassen und Kühe drehen dir ihr Hinterteil zu. Non, gleich so vertraulich werden, das ist nicht ihre Art. Bei ihm siegte aber die Neugier.

Ziegen schauen hingegen nur kurz hoch und versenken sich dann sofort wieder in ihre Lieblings- und Dauerbeschäftigung: Kräuter knabbern. Das war auf etwa 1200 Meter Höhe – und es duftete intensiver und köstlicher als in jedem Kräuterladen, den ich in meinem Leben bisher betreten habe.

Aber natürlich ziehen sich zum Schlafen diskret von der Landstraße zurück. Ein paar Meter.

Er hier wollte mich dagegen ganz aus der Nähe kennenlernen beschnüffeln.

Und er ebenso:

2 Kommentare zu “Korsikas Bergstraßen: einfach tierisch

  1. Steven

    Ich habe Korsika einmal mit dem Fahrrad gemacht. Bisschen beängstigend, wenn ein dieser wilden Schweinen an Ihr Zelt schnüffelt in der Mitte der Nacht!

  2. Veronika

    Während unseres Chile-Urlaubs ging es auch tierisch zu. Da aber eher in den Städten als auf dem Land. In der Hauptstadt Santiago beispielsweise ist alles voller herrenloser Hunde und Katzen… Während einige uns am liebsten bis in die Wohnung gefolgt wären, haben andere auch schon versucht zu schnappen. Nicht ganz ungefährlich.

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