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No Future: Das Ende der Achtern Diek Lounge

Eben wollte ich zu einer kleinen Eloge ansetzen. Jetzt wird es ein Nachruf. Die „Achtern Diek Lounge“ in Wesselburenerkoog hat zugemacht. Wesselburenerkoog? Liegt hinterm Deich an der Nordsee, ein paar Kilometer nach Heide und vor Sankt Peter-Ording. Holsteinisches Tiefland: Wiesen, Siele, Kohlfelder, knotige Weiden an der Landstraße. Schafe, Kühe bis zu den Knien im tiefen Gras. Eine Gegend für Fernsehkrimis voller seelischer Tiefdruckgebiete mit dickschädeligen Bauern und durchtriebenen Dorftyrannen. Oder für Komödien mit demselben Personal.
Keine Komödie, eher ein Provinzdrama: Die „Achtern Diek Lounge“ und ihr Ende. Da hatten zwei Leutchen kräftig die Ärmel hochgekrempelt und sich ins Zeug gelegt. Haben ein altes Backsteinhaus gepachtet, ihre Ersparnisse aus ein paar Jahren als Partymacher und Eventveranstalter eingesetzt und ernst gemacht mit dem Spruch: Jetzt bauen wir uns hier unser eigenes Ding auf.
Sechs Zimmer hatte das kleine – - wie soll ich‘s nennen: Privathotel? Jedes anders. Anti-plüschig, aber dennoch gemütlich. „Alles, was hier nicht nach absoluter Profiarbeit aussieht, ist selbst gemacht“ sagte mir Enrico Maiale. Ein Mann mit viel Fantasie. Er gestaltet schöne Webauftritte ebenso souverän wie er Loungemusik komponiert oder ein Haus einrichtet. Fernseher gab‘s nicht, „wer aufs Land fährt, soll mal nicht in die Kiste glotzen.“ Computer schon. Enrico wollte da oben an der frischen Nordseeluft nicht zum Landei regredieren, er zog das auf der Höhe der Zeit durch.

Fotos: Enrico Maiale/www.kurdirektor.com

Zu zweit allein haben sie den Laden geführt, Enrico und seine Partnerin Katja Buddelmann. Eine Rezeption brauchten sie nicht. Keinen Holztresen, der Gäste vom Personal trennt, Hotel vom Hinterzimmer. Man war da zu Gast, das schon, aber privat. Welche Musik du magst, welche Zeitschriften du liest, welchen Mac du dir mitbringst, nach welchen US-Fernsehserien du süchtig bist, das waren so die Codes der Verständigung.
Eine Zeitlang funktionierte das Konzept ganz gut. Die Presse kam und schwärmte, darauf hatten die Beiden ihre Hütte voll. Letztes Jahr noch waren Enrico und Katja optimistisch. Na ja, mit leicht gedämpftem Unterton. Sie expandierten sogar. Fanden auf Ibiza ein schönes weißes Haus, das sie nach demselben Konzept zum Privathotel Süd ausbauten. Dort machen sie nun erst einmal weiter. Die Lounge hinterm Deich aber sperrte von einem auf den anderen Tag zu. „Auch wir sind nicht von der Wirtschaftskrise verschont geblieben“ schreibt Enrico in seinem Newsletter.

"Jetzt kommen neue ZEITEN" hat Enrico als Motto auf seine Website gesetzt. Mit Sicherheit hat er es anders gemeint, als es jetzt gekommen ist. Aber, kleiner Trost: Auf Ibiza lässt sich in harten, kalten Zeiten deutlich entspannter überwintern.

 

 

2 Kommentare zu “No Future: Das Ende der Achtern Diek Lounge

  1. Luciana

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