Tourististan

Kriegsspiele im Themenpark: Hisbollah macht in Tourismus

Was hat die Hisbollah im Tourismus verloren? Gewöhnlich taucht die Schiiten-Miliz im Libanon in den Nachrichten auf, wenn sie mal wieder Raketen auf das „besetzte Palästina“ (Israel) regnen lässt oder halbwüchsige Mädchen mit Sprengstoffgürteln in Marsch setzt. Davon verstehen die vom Iran finanzierten und mit Waffen versorgten Islamisten bekanntlich eine Menge. Jetzt expandieren sie in den Tourismus – wobei sie ihre Kriegs- und Terrorkünste geradezu hochkreativ einsetzen. Gut 90 Kilometer südlich von Beirut betreiben sie nun einen – ja was? Einen Themenpark? Einen Freizeitpark? Ein Kriegsmuseum? Ein War and Terror-Disneyland?

Tourist Landmark of The Resistance heißt die Einrichtung, die natürlich auch eine, wenn auch nicht sonderlich gepflegte, Website hat: The Land Speaks To Heavens.

Mehreren US-Sendern war die Attraktion Berichte wert:

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Deutschen Medien ist die Story noch nicht so aufgefallen, nur die ARD hat einen Hörfunkbericht ihres Korrespondenten online stehen (wer weiß, wie lange noch). Über ein „bizzares Kriegsmuseum“ wundert sich der Kollege dort, und zitiert irgendwie erleichtert den Chef der „Museumsverwaltung“, Rami Hasan: „Besucht unseren Freizeitpark und ihr werdet sehen, dass wir keine Terroristen sind. … Wir wehren uns nur dagegen, immer wieder von den Israelis bombardiert zu werden – ob in der Schule, in der Moschee, in der Kirche oder im Krankenhaus.“

So lassen nun stolze Väter ihre Jungs auf Kanonenrohren posieren, an MGs herumspielen und die Rostlauben bewundern, die angeblich erbeutete israelische Panzer darstellen sollen. Alles ist hübsch angelegt, es gibt Spazierwege, Brücken, Treppen und einen Springbrunnen. Parkplätze für 200 Autos und 50 Busse stehen bereit. Ein Souvenir- und Geschenkshop darf nicht fehlen, ebenso wenig der Gebetsraum für fromme Killer. In der Cafeteria können 750 Gäste bei schönster Aussicht über die Berge des Südlinanon ihren Tee schlürfen. Tour Guides führen in Englisch, Französisch, Spanisch, Persisch, Arabisch und Deutsch durch die Anlage. Höhepunkt des Ausflugs: ein Besuch in einem ehemaligen Bunkersystem der Hisbollah, wo alles noch genau so aussehen soll wie zu Zeiten des letzten Krieges.

Die Gotteskrieger planen noch weit Größeres, auch dies vermeldet der Kollege vom Ersten ohne irgendwelche Anführungszeichen: 60.000 Quadratmeter umfasst die Anlage, alles in modernstem Design. Sie wurde entworfen von namhaften Beiruter Architekten. Und das ist erst der Anfang. „Hinzukommen werden Wellness-Einrichtungen, Hotels, Fußballfelder, Campingplätze, eine Seilbahn zum gegenüber liegenden Hügel, Grünanlagen und Grillplätze für die Wochenendausflüge der Familien“, sagt Hasan.

Eine halbe Million friedliebende Besucher hat man bereits gezählt, seit der Park im Frühsommer 2010 eröffnet wurde. Fürs nächste Kanonenfutter scheint gesorgt. Täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

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