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Little Big Berlin: Die Hauptstadt ist echt niedlich

Kitsch kann ja auch mal schön sein. Man sieht etwas, ein Foto, einen Film, und will einfach nur „Hach!“ rufen. Hach, wie niedlich. Hach, wie putzig, Kinder wat isset nicht schöön.

So ging es mir mit dem Video „Little Big Berlin“ von Phillipp Beuter:

[vimeo 14014317]

 

Natürlich ist Berlin kein Spielzeug-Wunderland und ich habe in den Tagen hier auf der ITB keine Menschen gesehen, die wie Ameisen umherwuseln, keine Bahnen, die wie durch eine Märklin-Welt dampfen oder Bauarbeiter, die im Zeitraffer Balken zersägen und Nägel einschlagen.

Tilt Shift heißt die Technik, mit der man solche Effekte erzielt. Stammt aus der Architektur-Fotografie und wird nun von einer Szene von Filmern und Fotografen gern genutzt, um Städte und Landschaften zu schrumpfen, bis der Kitsch-Hach-wie-niedlich-Effekt eintritt. Außerdem sind die Bilder an den Rändern unscharf – sieht ein bisschen aus wie auf alten Märchenillustrationen, der Zeitraffer erinnert an Stummfilme, und das grelle und gleichzeitig milde Licht fügt dem etwas Heutiges, Modernes hinein. Nostalgie-Produktion mit den Mitteln digitaler Videotechnik und des Netzes.

Das erinnert ein wenig an HRS in der digitalen Fotografie: Ebenfalls eine Technik, mit der man aus grauer Wirklichkeit bunte Traumbilder zaubern kann. Die Kitschpostkarte des 21. Jahrhunderts.

Jedenfalls: Wenn ich bei der Berlin Tourismuswerbung was zu sagen hätte, würde ich den Film samt seinem Macher sofort einkaufen. Besser kann man eine Stadt ja kaum in ein knuddeliges Sehnsuchtsziel verwandeln.

Disclaimer: ITB – das heißt Internationale Tourismus Börse, in Berlin. Pflichttermin für die Tourismusbranche und natürlich auch für Reisejournalisten. Folglich treibe ich mich gerade da herum.

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