Hotelwelten in Deutschland: Vorsicht Irrwitz! Ein Lese-Tipp

 

Das Vier-Sterne-Zimmer sieht oft aus, als wäre Graceland in Rente gegangen. Teppich an den Wänden, gülden verspiegelte Bettintarsien, eine polierte Messing-Attacke auf das Hirn des Reisenden. Eine flexibel schwenkbare Lampe an einen Spiegel zu montieren, dafür muss sich irgendjemand aktiv entschieden haben. Ebenso dafür, die gleiche Lampe nochmal neben dem Bett anzuschrauben. Die Botschaft, die solche Inneneinrichtungen transportieren – überall in der Bundesrepublik – kann nur eine sein: frage nicht nach dem Warum, Reisender, wenn überhaupt jemand den Grund weiss, wird es der deprimierendst vorstellbare sein.

So schreibt Sascha Lobo, wenn er mal nicht auf Spiegel Online schreibt, sondern auf seinem eigenen saschalobo.com. Es ist ein langer, langer Text über Hotelwelten. Oder wie er es nennt: das Paralleluniversum. Liebevoll und so ausführlich wie man es seit Marcel Proust kaum noch gelesen hat, beschreibt er Depri-Design (wie im Zitat oben), nummerierte Aufkleber auf Kronkorken in der Minibar, Rot-Blau-Verwirrungen im Badezimmer, die Rätsel der deutschen Hotelklassifizierung und noch viel mehr und viel seltsamere und skurrilere Erscheinungen aus der Welt der Nicht-Luxus-Hotels. Und ja: Bohnen in Tomatensoße, die auf dem Frühstücksbuffet langsam einkochen, kommen auch vor.

Nachdrückliche Empfehlung: Lesen!

Modernes Storytelling: Auf den Kilimandscharo mit HTML5

Ab und zu findet man ja eine Perle im Schlamm.

Von modernem Storytelling im Web ist ja viel die Rede. Fotos, Videos, Texte, das soll irgendwie neu verknüpft werden – heraus käme die neue Reportage, der Superblog, das Multimedia-Magazin. Oder so in der Art. Leider bisher vor allem theoretisch. Zu häufig findet man nach wie vor die altbekannte Kombi von Bildern mit kurzen Texten. In neuem Gewand, hier und da, doch strukturell ganz old school.

Was sich die meisten neuen Storyteller nicht klar machen: Es kommt, neben der Qualität von Fotos und Texten, hauptsächlich auf die Software an. So wie ich mit einer digitalen Kamera anders erzähle als mit Stift und Papier, so muss es natürlich auch im Netz laufen. Müsste! Doch diese Erkenntnis sickert erst ganz langsam durchs Web. Und manchmal ist es auch ein kommerzieller Reiseveranstalter, der zeigt, wie es gehen kann.

In diesem Fall heißt der Veranstalter Tourdust, sitzt in Großbritannien und bietet Abenteuer im weitesten Sinne an: Wilderness, Adventure, Safari, Culture. Im Programm haben sie auch eine Besteigung des Kilimandscharo – bekanntlich technisch nicht anspruchsvoll, aber wegen der Höhenlage physisch enorm anstrengend.

Nun haben sie sich bei Tourdust überlegt: Wie berichten wir auf unserer Website von diesem Abenteuer? Offenbar haben sie dort Mitarbeiter, die mit HTML5 und CSS3 umgehen können, und entstanden ist eine wunderbare Site: den Browser füllende Fotos  mit kurzen Captions. Doch der  Clou ist: Man braucht hier nicht zu klicken, sondern scrollt mit dem Mausrad, und es läuft das nächste Foto mit dem nächsten Kurzkapitel ins Bild. Und nach zwei, drei Szenen bist du mitten drin in der Story und möchtest unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Ein paar Screenshots (aber so richtig cool wirkt das erst auf der Website):

Ich frage mich: Weshalb sieht man so etwas nicht häufiger? Warum setzt sich HTML5 nur so zögerlich und langsam durch? Auf Portalen, in Blogs, bei Online-Magazinen? Ist es teuer? Aufwendig? Kompliziert? Oder nur nicht in den Köpfen von Reportern, Reisenden, Bloggern, Site-Desigern?

via travellll

 

“Ich lasse mich am liebsten treiben.” Interview mit Helge Timmerberg

Vor kurzem hat Helge Timmerberg African Queen veröffentlicht, eine Erzählung über eine siebenmonatige Afrika-Reise. Derzeit ist er damit auf Lesetournee (Termine postet er ab und an auf seiner Facebook-Seite). Den “wildesten und gnadenlosesten Reiseschriftsteller Deutschlands” nannte ihn der Moderator seiner ersten Lesung in Hamburg, im Literaturhaus. Sibylle Berg sagte über Helge Timmerberg: ”Den ersten richtig großen und tiefen Neid empfand ich, als ich Helge Timmerberg kennenlernte. Er war in meiner Generation der beste Schreiber Deutschlands und der freieste Mensch, den ich jemals getroffen habe.” Beide haben sie recht. Kein Schreiber, wie er sich selbst nennt, schreibt offener, klüger, witziger und intelligenter übers Reisen als Helge Timmerberg. Ich wollte von ihm wissen: Helge, wie reist du eigentlich? Das Interview führten wir im Hamburger Hotel Wedina.

Helge, beschäftigst du dich vor einer Reise intensiv mit einem Ziel?
Nein, eher nicht. Ich möchte vorher eigentlich so wenig wie möglich wissen. Wenn das überhaupt geht. Bei mir ist das mittlerweile ja schwierig. Ich kenne halt schon wahnsinnig viele Orte. Indien zum Beispiel: Als ich das Indien-Buch („Shiva Moon“) gemacht habe, da kannte ich schon alles, weil ich schon tausendmal dort gewesen war.

Liest du viel über deine Reiseziele?
Nein, ich lese da nichts. Viel lieber rede ich mit Leuten. Für das „African Queen“-Buch habe ich mit Freunden geredet, die eine starke Beziehung zu Afrika haben. Zum Beispiel mit einem Freund, der zehn Jahre im Senegal gelebt, dort als Tennislehrer in einem Ferienclub gearbeitet hat.  Er hat mir den Senegal vorgestellt. Und mit ihm war ich vor dieser Reise schon einmal im Senegal.
Aber selbst wenn man was liest: Wenn du dann dort bist, kommen ganz andere Informationen. Du triffst andere Leute. Du triffst ja die Menschen, die zu dir passen, sonst würdest du gar nicht mit denen reden.

Wie intensiv planst du eine Reise? Zum Beispiel diese sieben Monate für das Afrika-Buch?
Eigentlich lasse ich mich am liebsten treiben. Ich weiß aber selbst nicht, ob das gut ist, ob ich das wirklich empfehlen kann. Was Afrika angeht, dazu haben mir Kenner gesagt: Es geht im Grunde gar nicht anders, in Afrika kannst du nicht anders reisen. Sich treiben lassen, das heißt natürlich auch: Du akzeptierst das, was gerade da ist.  

Also lässt du alles auf dich zukommen?
Über ein paar reisetechnische Fragen habe ich mich vorher schon schlau gemacht: Welche Überlandrouten gibt es, zum Beispiel? In Westafrika kommst du ja nicht durch, da sind viele Länder dicht. Das geht nur in Ostafrika, von Kairo bis Kapstadt, da gibt es eine Route.
Aber eigentlich lasse ich gern alles auf mich zukommen. Also rein und bumm! und gucken. So kam ich nach 30 Jahren wieder nach Kairo. Ich hatte keine Erwartungen an die Stadt – und dann gefiel es mir dermaßen gut.

Warum?
Kairo war ganz, ganz stark. Ich habe mich irrsinnig wohlgefühlt. So richtig erklären kann ich das gar nicht. Das ist eine arabisch-orientalische Metropole. Die Altstadt, der Basar, da ist vieles original erhalten. Da wäre ich am liebsten sehr lange geblieben. Das hatte einen ungeheuren Sog.  

Mal banal gefragt: Du kommst irgendwo an, wie findest du ein Hotel oder eine Herberge? Wie gehst du vor?
Ich tendiere dazu, immer wieder dort hinzugehen, wo ich mal eine gute Zeit hatte. In Kairo wäre das, wenn ich allein gewesen wäre, die „Pension Suisse“ gewesen, wo ich damals vor 30 Jahren untergekommen war.
Bei dieser Reise hat mir Lisa alles abgenommen. Ich habe mich um nichts gekümmert. Sie ging ins Internet, hat sich die Hotels, die Fotos, die Preise angeschaut. Sie war wie eine Managerin. Und sie hat es meistens sehr gut getroffen. Ich bin einfach nur mitgefahren.

Und ohne Lisa …?
Wenn ich sonst allein reise, weiß ich genau, in welche Hotels ich gehe. Ich kenne das einfach. Und dann das Internet: Das ist für uns Reisende ja eine andere Dimension. Da besorgst du dir alles einfach eine Stunde bevor du es brauchst. Den Safariveranstalter für die Serengeti haben wir auf der Anreise noch besorgt.
Es ist alles so easy geworden. Früher hast du die erste Nacht oft in einer Scheiß-Herberge verbracht, weil du dich nicht auskennst. Dann bist du den ganzen ersten Tag herum gelaufen und hast dir was gesucht. Die erste Nacht, die brauchtest du zum Ankommen. Aber jetzt mit Internet, alles total easy.

Hörst du auf Empfehlungen, auf Tipps von Freunden?
Natürlich. Auf Freunde, deren Geschmack ich kenne. Aber das kommt relativ selten vor.

Wenn du auf einer Reise nicht arbeitest, nicht recherchierst und du bist in einer fremden Stadt: Wie sieht da dein Tag aus? Was unternimmst du?
Zwei Fragen stelle ich nicht mehr: Wo sind eure Sehenswürdigkeiten? Und: Wo ist es bei euch am schlimmsten? Das interessiert mich nicht mehr. Etwa in Nairobi in die Slums zu gehen, das finde ich affig.
Nein, ich gehe einfach spazieren. Ich suche mir einen netten Tea-Shop. Da kann ich dann stundenlang sitzen. Die Straße und die Leute beobachten, so mache ich das am liebsten. Die Dinge rollen lassen. Ich muss dann auch mit niemanden reden.Das war auf der Afrika-Reise wieder in Kairo am stärksten. Die haben dort eben diese Straßen- und Basar- und Teehauskultur. Jeden Tag saß ich da mindestens zwei Stunden und habe nur geschaut. Eine alte Erfahrung: Die Geschichten kommen immer an, wenn du sie am wenigsten suchst. Du sitzt irgendwo, du ruhst irgendwie in dir selber, du bist vielleicht schon drei oder vier Tage an diesem Ort – dann kommen die Leute wie von selbst und die Geschichten ebenso.
Ich muss allerdings sagen: Je älter ich werde, desto schwieriger wird es, sich noch überraschen zu lassen.

Du schreibst gleich am Anfang „African Queen“, du fühlst dich „überreist“. Ist das der Grund?
Früher waren die Erwartungen, die ich an eine Reise hatte, ja ganz andere. Mit 17 Jahren nach Indien, da war klar: Ich beginne jetzt ein neues Leben. Tschüß, ich werde Sadhu. Doch in all den Jahren machst du eine zentrale Erfahrung: Du kommst immer wieder zurück. Deine Erwartungen und Hoffnungen, das wird  immer kleiner. Was an sich auch ganz schön ist, denn du lässt dich wieder überraschen.

Fühlt sich so Reisemüdigkeit an?
Ja sicher. Schau, ich bin jetzt 60. Die Fitness lässt nach. Reisen ist hin und wieder ja ziemlich anstrengend. Man neigt auch langsam ein wenig zur Gemütlichkeit. Man darf das auch, finde ich. Man muss seinem Alter entsprechend reisen. Heute suche ich mir gute Hotels aus. Diese Herbergen von früher: nee, lieber nicht mehr. Das ist natürlich eine Geldfrage, aber man hat ja auch etwas mehr Geld in der Tasche.
Doch in Kairo drehte sich das dann wieder ins Gegenteil.

Was geschah in Kairo?
Es geht um dieses Erlebnis in der Moschee, das ich am Schluss des Buches beschreibe. Ich ging nach meinen Moscheebesuchen durch die Stadt, durch den Basar – und habe mich wieder gefühlt wie mit 17 Jahren. Kürzlich ist mir dazu etwas wieder eingefallen, das ich in Indien erfahren habe. Es gibt dort Bettelorden, die ihren Mönchen verbieten, länger als drei Tage an einem Ort zu bleiben. Die Bettelmönche sollen ihre Seele nicht daran gewöhnen, irgendwo anders heimisch zu werden als in sich selbst. Oder in Gott, wie immer man das nennen mag.

Wie bist du wieder auf diesen Gedanken gekommen?
Ich neige ja zu Extremen. Entweder fühle ich mich allein komplett verloren.    Dann hadere ich: Was will ich bloß hier? Ich möchte nach Hause –  ich bin da schon anfällig für Depressionen. Oder es macht klick, und ich habe mich gefunden. Bin saustark, bin in diesem Nomadentum ein autonomes Wesen. Fühle mich völlig rund und stärker als zu Hause. Zu Hause kannst du alles verlieren, die Freunde, die Frau, das Zuhause selbst. Wenn du aber mit dir selbst so im Reinen bist, kannst du nichts verlieren. Und bei diesem Gedanken fielen mir die Bettelmönche wieder ein.

Kannst du dir erklären, wann du dich verloren fühlst und wann stark?
Manchmal bist du einfach schlecht in Form. Oder die Umwelt macht dich fertig. Am schlimmsten ist es, wenn du nachts irgendwo landest, der Taxifahrer bringt dich in einen Schuppen, und dann sitzt du da mit den Kakerlaken. Oder du landest in einem dieser Mittelklassehotels, die keine Atmosphäre haben, nur kalt und leer sind. Dann musst du es schaffen, die Fixierung auf dich selbst wieder loszulassen. Ich habe eine große Hilfe: ich meditiere. Seit 40 Jahren meditiere ich jeden Morgen eine Stunde. Der Tag fängt also immer gut an. Wenn ich das auch abends auch machen würde, wäre auch der Abend gerettet. Aber bei mir heißt es: morgens meditieren, abends kiffen. Trotzdem: Wenn ich mich scheiße fühle, habe ich diese Geheimwaffe, die Meditation.

Wie arbeitest du unterwegs? Hast du ein Notizbuch dabei?
Hab ich dabei, aber ich schreibe fast nie was rein. Beim Indien-Buch „Shiva Moon“ habe ich in sieben Wochen zwei Sätze reingeschrieben. In Afrika auch: nichts, null. Was mich berührt, das vergesse ich nicht mehr. Und was mich nicht berührt, brauche ich auch nicht. Was soll ich über Dinge schreiben, die sich bei mir nicht belichtet haben?

Helge Timmerberg im Hotel Wedina, Hamburg.

Fotos: bs/tourististan

Nature Valley Trail View: Google macht Schule in US-Nationalparks

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit es Google Street View gibt, können wir nicht nur aus der Vogelperspektive auf eine Stadt schauen, sondern auch aus der Straßensicht, als stünden wir mittendrin. Nun kommt Nature Valley Trail View, die Version für Wanderwege. Damit lassen sich virtuell die Wanderwege in drei amerikanischen Nationalparks ablaufen: in den Great Smoky  Mountains, in Yellowstone und im Grand Canyon. Weitere Parks und Wege soll bald dazu kommen.

Das Verfahren sieht aus wie bei Google und lässt sich auch so bedienen.  Nur war die Kamera, die den Weg und die Umgebung filmt, nicht auf einem Auto montiert, sondern auf den Rücken eines Wanderers geschnallt – und die Halterung dabei so fein gefedert, dass sie sogar die Körperbewegungen des Trägers ausgleicht. Mit dieser Kamera – eine Dodeca 2360 mit elf Objektiven – haben kleine Teams im vergangenen Sommer und Herbst rund 330 Meilen in den drei Nationalparks abgelaufen. Die Bilder, die sie mitbrachten, stehen nun bei Nature Valley online – einem Unternehmen, das die US-Nationalparks seit langem mit Geld und Kampagnen untersützt. Dazu gibt es intelligent eingebundene Infos über die Trails, samt Aussichtspunkten, Schutzhütten, Geländeprofilen usw.

Wie die filmenden Hiker die Bilder eingesammelt haben, zeigt ein kuzes Video - there is so much to see beyond the streets:

eingebunden mit Embedded Video

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Reiseblogger unterwegs (3): Foto-Auge in Asien

Hin und wieder, in sehr loser Folge, stelle ich hier Reiseblogger vor – Menschen, die gerade irgendwo auf dem Erdball unterwegs sind und darüber bloggen. Man muss solche Blogs im Netz intensiv suchen.  “Reiseblog” nennt sich alles Mögliche. Vor allem findet sich unter dem Suchwort bei Google ein paar hunderttausend Mal reinster PR-Schrott. Was mich hier interessiert, sind wirkliche Reisende mit echten Blogs. Mehr darüber in der ersten Folge dieser kleinen Reihe.

 

Flocblog in Nepal, Indien, Thailand und dem ganzen Rest

 

 

 

 

 

 

Als Erstes fallen die Fotos auf. Sehr prägnante, starke Fotos. Ausnahmslos alle sind in einem sehr breiten Querformat gehalten, Seitenverhältnis ungefähr 1:3. Das ergibt fast eine Art Kino-Effekt: Breitwand. Und Breitwand heißt: großer Auftritt. Drama. Dazu eine wunderbare Farbdramaturgie: Der Fotograf behrrscht nicht nur sein Format exzellent, genauso sicher geht er auch mit Farben um. Je länger ich mich auf Flocblog herumgetrieben habe, desto stärker hat mich beeindruckt, wie konsequent und gekonnt hier mittels Format und Farben fotografisch erzählt wird. Ich kenne keinen anderen Reiseblogger, auch nicht unter den vielen auf Englisch Bloggenden, der mittels Fotografie so virtuos und produktiv und blog-spezifisch erzählen kann.

 

 

 

 

 

 

Der Foto-Künstler heißt Florian Blümm, ist 32 Jahre alt, stammt aus Bayern, kommt aus der Informationstechnologie und ist seit Mitte 2011 auf Weltreise. Sein Flocblog – “zustandslose Experimente” – zählt zum Ungewöhnlichsten, was man derzeit in diesem Genre zu sehen bekommt. Florian schenkt sich das Tagebuchschreiben oder beschränkt es auf wenige Skizzen. Das Erzählen übernehmen seine Fotos und einige Videos.

 

 

 

 

 

 

Außerdem lässt er uns direkt in seine Gedanken und Gefühle blicken. Berichtet von seinen Leseerfahrungen mit einer Wissenschaftsschwarte (“Kultbuch”) wie Gödel, Escher, Bach. Rechnet seine Reisekosten ab und überträgt sie in hübsche Grafiken. Fotografiert Käsekuchen in Kathmandu – Käsekuchen scheint überhaupt seine große Leidenschaft zu sein. Gesteht: Ich bin jetzt seit 3 Wochen in Indien. So weit ist alles in Ordnung. Aber: Indien nervt!

Und schreibt freimütig darüber, wie ein Aspie die Welt sieht und Menschen und Begegnungen erlebt – ein Autist mit Asperger Syndrom.

 

 

 

 

 

 

Florian Blümm irgendwo im Himalaya. Treffen kann man ihn auch auf Facebook und Twitter. Auf Vimeo gibt es einige Videos von ihm.

Alle Fotos © flocblog

 

Hier gibt’s mehr über Reiseblogger:

Folge 1

Folge 2

 

 

 

Die Goldene Zeit des Reise-Plakats. Eine Buchempfehlung

 

Brain Pickings, wo dieses und weitere Poster heute aufgetaucht sind, nennt sie Plakate aus der goldenen Zeit des Reisens. Na ja, goldene Zeit. Für die happy few sicher, für wenige Privilegierte mit genug Zeit und Geld, aber für den großen Rest…?. Was es auf jeden Fall aber, so die Ära bis Ende der 50er Jahre: die goldene Zeit des Reise-Plakats.

Plakate waren damals einfach Werbemittel, große Anzeigen, die in Reisebüros und Agenturen hingen, Hotelhallen und Bahnhöfe zierten. Ihre Funktion: Sehnsucht erzeugen, reines Fernweh – und die Designer legten sich dafür mächtig ins Zeug. Wenige Jahre später übernahmen Fotografie und Film diese Aufgabe, was, wenn ihr mich fragt, der Schönheit der Sehnsuchtserzeugung nicht unbedingt gut bekommen ist.

Diese Plakate stammen aus dem Buch 20th Century Travel: 100 Years of Globe-Trotting Ads, von Jim Heimann, verlegt bei Taschen. Und Mr. Heimann wiederum hat sein wunderhübsches Werk aus einer Sammlung der Boston Public Library zusammengestellt.

Die man auch bei Flickr bewundern kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zu Amazon.

 

Reiseträume im Kino: Hongkong 1938. Ein Vintage Travel Video

 

eingebunden mit Embedded Video

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Pünktlich zum Wochenende bin ich wieder auf ein wunderbares Vintage Travel Video gestoßen (für die ich langsam eine Schwäche entwickle): Hongkong, Gateway to China von 1938.

Der Schwarz-Weiß-Streifen stammt von André de la Varre (1904 – 1987). Der Mann war ein wahrhafter und leidenschaftlicher Reisender. Mit 17 kaufte er sich eine Kamera, drehte und verkaufte seine ersten Bilder – und fand sofort, dass eine “gute Methode ist, Geld zu verdienen”. Dabei blieb er, als Autor, Regisseur, Produzent – bei De la Varre war alles self made. Er drehte kurze Dokumentationen, 11 bis 22 Minuten lang, die damals in den Kinos gespielt wurden, zwischen der Wochenschau (newsreel) und dem Hauptfilm. Und er drehte hunderte davon. Eine Liste, die mir aber nicht vollständig erscheint, hat die IMDB.

De la Varre war war kein Exot, kein ewig durch die Welt tingelnder Außenseiter. Das Genre des Travelogue, das er mit erfand und bediente, spülte den Produzenten richtige Geld in die Kassen. Zehn, fünfzehn Minuten Staunen und Träumen über die große weite Welt – vor dem Drama und der Spannung des Hauptfilms – das gehörte bis in die 60erJahre zum Kinoerlebnis wie heute Cola und Popcorn.

In diesem Genre war De la Varre äußerst erfolgreich. Zwei Oscars sind dokumentiert, in der Kategorie “Dokumentation auf einer Filmrolle” (die Kategorie wurde Mitte der 50er Jahre abgeschafft). Einen Academy Award erhielt er für eine Kurzreportage über den Palio in Siena, einen für eine Doku über Hollywood-Schauspieler. Eine österreichische Website aus dem Ort, wo De la Varre im Alter lebte, spricht sogar von 11 Oscars und 22 Nominierungen – doch da haben die Österreicher es möglicherweise etwas allzu gut gemeint.

Hongkong also. Die Bilder sind einfach superb und sprechen für sich. Männer in Tropenhelmen, zierliche chinesiche Damen in knöchellangen Seidenkleidern und mit Sonnenschirmen. Von Kulis geschleppte Sänften als Taxis

Beim Kommentar lohnt es sich, genau hinzuhören. Hongkong war damals britische Kronkolonie, Britain’s Pride of the East. Eine Million Chinesen wuseln und werkeln da emsig und fleißig herum, erzählt der Off-Sprecher, und 20.000 Europäer leben in der Stadt, who guide and minister them. Tja, wir Europäer, die natürlichen Herren der Welt. Und so weiter im entspanntesten und heitersten Kolonialherrenton.

De la Varre hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mit seinen Filmen die schönen und erfreulichen Seiten des Planeten Erde zeigen wollte. Insofern ein würdiger Vorgänger von uns heutigen Reise-Journalisten.

Lustige Sprach- und Schriftpannen zwischen West und Ost gab es damals übrigens auch schon. Che Wing Gum ist kein berühmter Chinese aus der Sippe der Che. Sondern Kaugummi.

Enjoy.

Wer nun ebenfalls eine Schwäche für historische Reise-Film entwickelt: Der Youtube-Kanal des Travel Film Archive ist eine Fundgrube.

Maps, Maps, Maps: der Blog für Karten-Freaks

Ihr liebt Karten? Ich meine, so richtig? Ihr steht auf alle Arten von Karten, Maps, Atlanten? (Sollte man als Reisender eigentlich automatisch …)

Dann seid Ihr ab sofort hier richtig: Bei FUCK YEAH CARTOGRAPHY

FYC ist ein Tumblr-Blog und dahinter muss ein wahrhaft kartographiler Blogger stehen. exploring interesting representations of space kann man in seiner Kurzrubrik about lesen – mehr ist über ihn oder sie leider nicht zu erfahren.

Dafür ist das Angebot einfach überbordend. Seit 2010 findet man hier täglich mehrere neue Maps: historische, fantastische, touristische. Gezeichnet, gemalt, fotografiert. Whatever.

So sieht zum Beispiel die Archiv-Seit des aktuellen Monats Februar aus.

Die einzelnen Bilder sind anklickbar, der Blick führt entweder zu einem Bild oder auf eine Website. Kurz: eine Fundgrube!

Auto mieten in Spanien: Bei MovoMovo jetzt nach dem AirBnB-Modell

 

Kommt nach den Vermittlern privater Ferienwohnungen wie AirBnb oder 9flats nun die private Autovermietung?

 

Englische Version von MovoMovo / Screenshot

 

MovoMovo sagt: claro. Das spanische Startup bringt Autobesitzer mit Reisenden zusammen, die einen Wagen zu mieten suchen. Und die dabei gern Geld sparen (um die 50 Prozent gegenüber kommerziellen Anbietern) und am liebsten noch einen netten Menschen kennenlernen wollen. P2P also – peer to peer, vom gleich zu gleich.

Das geht, sagen die Betreiber, in Zeiten von Social Media, sehr einfach. Als Kunde oder Anbieter registriert man sich auf ihrer Website mit seinem Facebook-Account. Die Programmierer von MovoMovo haben einen Algorithmus entwickelt, der aus der Präsenz eines Users in den Sozialen Netzen einen Social Trust Rank ermittelt: einen Vertrauens-Faktor. Daran soll der jeweils andere Mietpartner dann ablesen können, wie seriös ein Geschäftspartner ist.

Für beide Beteiligte, Vermieter wie Mieter, ist der Service kostenfrei. MovoMovo will mit Werbung Geld verdienen sowie mit Deals, die sie mit Anbietern ganzer Fahrzeugflotten abschließen wollen.

Und praktisch? Ich habe bei einem ersten Test in Sevilla gleich mal einen Audi A4 Avant für 40 Euro am Tag gefunden. In der tiefen Provinz ist MovoMovo noch dünn bestückt, aber in größeren und touristisch interessanten Städten haben sie schon ein ordentliches Angebot (2000 Anbieter im Moment in ganz Spanien).

Tnooz hat ein Interview mit den Gründern und Betreibern von MovoMovo.

 

Infografik: Was kostet es, ein Jahr lang um die Welt zu reisen?

Kyle und Briana aus Kalifornien haben sich einen Traum erfüllt: Job jündigen, auf Weltreise gehen. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen kann man auf ihrem Blog Roll Global verfolgen.

Und wer jetzt (wieder mal) denkt und seufzt: Tolle Sache, so um die Welt reisen, könnte mir auch gefallen, kann ich mir aber nicht leisten – für den haben die Weltreisenden in einer hübschen Infografik dargestellt, wie viele Dollars das Abenteuer Weltreise sie gekostet hat: 15.000 $ pro Person.

 

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