Die Welt sehen und high werden: Pot-Tourismus in Colorado

CannabisCupKommendes Wochenende kreisen in Denver die Joints und es muss damit gerechnet werden, dass eine stark duftende Wolke durch die Stadt zieht. 50.000 Besucher werden zu einem  riesigen Pot-Festival erwartet. Sie feiern eine mittlere Revolution in den USA: Vor wenigen Monaten haben die Wähler in Colorado und im Bundesstaat Washingon in Volksabstimmungen dafür votiert, Produktion, Verkauf, Besitz und Konsum von Marihuana zu legalisieren  – for recreational use (zu medizinischen Zwecken darf bereits in einigen US-Staaten durchgezogen werden). An den entsprechenden Gesetzen wird gerade gearbeitet.

Darauf eine Tüte: In Denver, Colorado, wird am 20. und 21. April der Cannabis Cup gefeiert, in Seattle, der größten Stadt in Washington der DOPE Cup the first since prohibition has ended. Mit Events, Musik (Snoop Dog ist angekündigt) und Wettbewerben, bei denen die besten Cannabis-Sorten prämiert werden. Ich warte ja auf die erste Pot Queen (statt Weinkönigin).

Und wer eine Weinreise nicht richtig prickelnd findet – oder wer nicht immer nur nach Amsterdam fahren will, kann jetzt in Denver auf Pot Tour gehen. Dort haben zwei Startup-Unternehmer My 420 Tours gegründet. Die Reise-Agentur bringt Kiff-Touristen in pot friendly hotels unter und stellt Kontakt zu Züchtern, Produzenten und Anbietern her. Die Nachfrage ist überwältigend, Angebote sind (The Ultimate Cannabis Experience) sind restlos ausverkauft – früh buchen ist angesagt.

 

 

 

Travel Quote Of The Day: Öfter mal was Kluges lesen

rolf_bio_2Rolf Potts ist einer lesenswertesten und interessantesten Travel Writer in der Szene. Ich verwende bewusst den englischen Ausruck. Travel Writing ist eine angelsächsische Tradition, und wie Amerikaner oder Engländer das angehen, dafür kenne ich im deutschen Sprachraum nichts Vergleichbares (Helge Timmerberg vielleicht). Es ist story telling von literarischer Qualität und das bedeutet: Hinausgehen in die Welt und mit nahezu anthropologischem Forschergeist und mit Reporter-Neugier erkunden, wie Menschen leben. Wie ein Land tickt, wie eine Kultur aussieht, welche Geschichten man aus der Fremde mitbringen kann.

Und, wichtigster Punkt: Man muss es erzählen können. Rolf Potts Bücher Vagabonding: An Uncommon Guide to the Art of Long-Term World Travel und Marco Polo Didn’t Go There: Stories and Revelations from One Decade as a Postmodern Travel Writer sind allerbester Lesestoff und für mich der Beweis: Er kann’s.

Rolf Potts betreibt Vagabonding, wo er sich intensiv dem individuellen und langen Reisen widmet (er macht noch viel mehr: Schreiben, Unterrichten, Vernetzen …). Der einzigen Art zu reisen, die das Prädikat Travelling wirklich verdient.

Dort postet er dann und wann Fundstücke wie dieses:

Marshall McLuhan on how the modern traveler has become passive

“The photograph has reversed the purpose of travel, which until now had been to encounter the strange and unfamiliar. Descartes, in the early seventeenth century, had observed that traveling was almost like conversing with men of other centuries, a point of view quite unknown before his time. For those who cherish such quaint experience, it is necessary today to go back very many centuries by the art and archaeology route. Professor Boorstin seems unhappy that so many Americans travel so much and are changed by it so little. He feels that the entire travel experience has become “diluted, contrived, prefabricated.” He is not concerned to find out why the photograph has done this to us. But in the same way intelligent people in the past always deplored the way in which the book had become a substitute for inquiry, conversation, and reflection, and never troubled to reflect on the nature of the printed book. The book reader has always tended to be passive, because that is the best way to read. Today, the traveler has become passive. Given travelers checks, a passport, and a toothbrush, the world is your oyster. The macadam road, the railroad, and the steamship have taken the travail out of travel. People moved by the silliest whims now clutter the foreign places, because travel differs very little from going to a movie or turning the pages of a magazine. The “Go Now, Pay Later” formula of the travel agencies might as well read: “Go now, arrive later,” for it could be argued that such people never really leave their beaten paths of impercipience, nor do they ever arrive at any new place. They can have Shanghai or Berlin or Venice in a package tour that they need never open. In 1961, TWA began to provide new movies for its trans-Atlantic flights so that you could visit Portugal, California, or anywhere else, while en route to Holland; for example. Thus the world itself becomes a sort of museum of objects that have been encountered before in some other medium. It is well known that even museum curators often prefer colored pictures to the originals of various objects in their own cases. In the same way, the tourist who arrives at the Leaning Tower of Pisa, or the Grand Canyon of Arizona, can now merely check his reactions to something with which he has long been familiar, and take his own pictures of the same.”
–Marshall McLuhan, Understanding Media: The Extensions of Man (1964)

Oder auch:

Our most important transitions are written into our journeys

“Travel is as familiar as the experience of the body, the wind, the earth, and this is why at all times and in all places it is a source of reference, a ground of symbols and metaphors, a resource of signification. The anthropologist and historian of religions Mircea Eliade laments the absence of genuine ritual of initiation in modern life and suggests that “modern man has lost all sense of traditional initiation.” But perhaps it is only that the reality of passage has replaced the ritual, and the most important transitions we experience are written into our journeys, which make of our lives a procession and spectacle more engrossing and transforming than any ritual could possibly be.”
–Eric J. Leed, The Mind of the Traveler: From Gilgamesh to Global Tourism (1991)

Gedanken, Thesen, Beobachtungen von klugen Köpfen über das Reisen. Es lohnt sich sehr, regelmäßig beim Travel Quote Of The Day reinzuschauen. Bringt einen auf ganz andere Reise-Ideen.

Those Were The Days: Historische New York-Fotos

Hunderte historischer Fotos aus New York City. Macht süchtig.

Gibt’s auch aus Chicago

 

 

Wie lange sperrt die ITB die Zukunft des Reisens noch in den Keller?

eTravel Lab in Halle 7.1c

eTravel Lab in Halle 7.1c

eTravelStage in Halle 7.1c

eTravelStage in Halle 7.1c

So sah es aus, wenn man jene Veranstaltungen auf der ITB besuchen wollte, die für mich zu den spannendsten und interessantesten zählen. Man hatte freien Blick auf Hinterköpfe und Rücken, auf Sakkos und Kostüme, auf Menschen, die in Zehnerreihen um einen Stehplatz drängelten. Wer fünf oder auch zehn Minuten vor Beginn eines Vortrages eintraf – pünktlich also –, war von einem Zuhörer-Stuhl so weit weg wie der gemeine Kinofan vom VIP-Bereich bei den Oscars: unerreichbar. Und wer sich brav hinten anstellte, bekam von der Veranstaltung akustisch so viel mit wie von einer Opernarie bei Starkwind. Verwehter Sound, dumpfes Gemurmel irgendwo dort vorn. Und das sind keine Momentaufnahmen. So sah es vergangene Woche von Mittwoch bis Freitag aus, an allen drei Fachbesuchertagen.

Wir sind in Halle 7.1c. Thema: eTravel – die elektronische Zukunft des Reisens. Die Ebene 1 in den Berliner Messehallen ist eine Art Souterrain. Noch stickigere Atmosphäre, noch weniger Platz als in den oberen Etagen. Dies scheint den Veranstaltern der ideale Raum für die Themenreihe eTravel: Hier geht es darum, wie soziale Netzwerke und mobiles Internet die Reisewelt gerade von unten nach oben kehren. In Zeiten von Smartphones und Tablet-Computern muss alles neu gedacht werden, nichts bleibt, wie gewohnt.  Neue Player betreten die Branche, vom Reiseblogger bis zum Social-Travel-Startup, von der Geld-Zurück-App bei Airlines bis zu den Riesen Google und Facebook, die massiv ins Reisegeschäft drängen. Reiseveranstalter und Medien müssen sich neu orientieren, Kunden und Gäste verfügen über ungeahnte Möglichkeiten, der Information, der Beratung, der Auswahl.

Darüber hätte man auf der ITB – laut Eigenwerbung die größte und wichtigste Reisemesse der Welt – gern mehr erfahren. Aus erster Hand, von den Protagonisten. Doch ja, das Programm existiert. Nur ist die Organisation einfach eine Katastrophe.

Seit Jahren strömen immer mehr Besucher zur eTravelWorld. Neugier und Interesse wachsen. Hier einen Platz zu bekommen, das war schon auf den vergangenen ITBs nicht einfach. Dieses Jahr war es schlicht unmöglich. Es sei denn, man hätte zur klassischen Waffe des Pauschalurlaubers gegriffen: Morgens früh auf dem Liegestuhl am Pool ein Handtuch ausbreiten – hier eher eine Tasche oder Jacke. Doch wer lässt in einer Messehalle schon seine persönlichen Sachen herumliegen? Und welchen Besucher, der sich bereits die Beine in den Bauch gestanden hat, hätte das gejuckt?

Immerhin ist dem Managment der Messe aufgefallen, wie attraktiv die eTravelWorld ist. Pressemeldung der ITB vom 9. März: Eine sensationelle Nachfrage erfuhren auf dem ITB Berlin Kongress die Themen Mobile und Social Media mit bis zu 50 Prozent mehr Teilnehmerzahlen im Vergleich zu 2012.

Glückwunsch, ITB! Aber ich darf mich gleichzeitig schon wundern, dass bei euch im Management offenbar kein Mensch mal auf die Idee kommt, den Zukunftsthemen des Reisens den Raum zu geben, den sie verdienen – und längst dringend benötigen. Seit Jahren quetscht ihr das eTravel Lab in einen Verschlag hinter Stellwände, als wär’s ein Umkleideraum. Die eTravelStage würde gut und gern die halbe Halle füllen können – doch sie muss mit einer Ecke zurecht kommen, die manche Aussteller allein für ihre Café-Bar zur Verfügung haben.

Als ich beim fünften oder sechsten Anlauf, einen Vortrag in 7.1c zu besuchen, wieder mal resigniert kehrt machte, kam eine Durchsage: Alle Vorträge stehen auf www.itb-berlin.de/etravel zum Download bereit.

Hey, wie modern.

 

Reisedepeschen: Es lohnt sich wieder, Reiseblogs zu lesen

reisedepeschen_karte

 

Ich hatte ja fast schon alle Hoffnung fahren lassen.

Reiseblog  – dieses Wort klang mal spannend. Es versprach Neues, Reisejournalismus in der ersten Person. Getrieben von Neugier und Lust auf das Fremde, das Andere, die Welt. Subjektive Blicke auf Länder und Menschen. Noch nie Gesehenes oder Bekanntes neu erzählt, anders fotografiert und gefilmt. Erlebnisse von unterwegs, Eintauchen in den Alltag, Türen öffnen und hinter Wände linsen. Und weil Blogger nicht die Erwartungen einer Redaktion oder eines Verlags bedienen müssen, weil sie frei sind von Genres und den Limits, die herkömmliches Print nun mal mit sich bringt, würden sie was riskieren, würden wirklich neue Wege gehen (auch ein Klischee, schon klar – aber mit einem wahren Kern).

Das war meine Hoffnung.

Also füllte sich mein RSS-Reader mit Blogs. Und ich las und suchte – und die Hoffnung starb und endete in Enttäuschung und Illusion. Es gibt zwar schon Ausnahmen hier und da, doch im Grunde machen Reiseblogger genau das, was ihre – gern verteufelten – Kollegen aus der Papier-Abteilung schon lange machen: Sie lassen sich von der Reiseindustrie einladen und schreiben und fotografieren und posten brav über das, was ihnen da vorgesetzt wird. Da ist dann – Überraschung! – das Essen superlecker, das Hotel fantastisch, das Reiseziel ein unentdecktes Paradies. Von Dubai bis Finnland, von Katalonien bis zur Gourmettour in Frankreich: Wenn auf fünf, sechs Blogs  gleichzeitig Fotos und Texte über dieselbe Destination auftauchen, absolut austauschbar und konventionell und im gehobenen Kitsch-Sound, dann wissen wir mal wieder: Leute, Hammer-Reise hier, einmalig, amazing, ihr glaubt es nicht.

Doch jetzt ist die Hoffnung zurück.

Johannes Klaus hat sein neues Projekt Reisedepeschen gestartet. Schon mit seinem Solo-Unternehmen Reisedepesche ragte er aus der aufkommenden Welle der Reiseblogs weit und hoch heraus, bekam dafür verdientermaßen den Grimme Online Award. Nun hat er der Depesche ein ‚n“ am Wortende spendiert und versammelt auf dem Portal „ausgezeichnete Reiseberichte aus aller Welt“. Aktuell sind bei den Reisedepeschen ein Dutzend Blogger vertreten, und ich habe gar nicht so viel Zeit, wie ich dort surfen und lesen und betrachten möchte. Die Reisedepeschen erobern gerade den ursprünglichen Sinn des Begriffs Blog zurück: Reisejournalismus in der ersten Person. Getrieben von Neugier und Lust auf das Fremde, das Andere, die Welt.

Grafisch ist die Site dezent und zurückhaltend. So kommt die erste Stärke zum Tragen: die Fotografie. Es gibt zwar ein Qualitätsgefälle unter den Bloggern auf den Reisedepeschen, doch hier arbeiten Leute, die nicht einfach nur ein schales „wow, geil hier!“ erzeugen wollen oder mir den trillionsten Sonnenuntergang zeigen. Die Bilder sind nicht nur bloße Illus, sie sind integraler Bestandteil des Storytelling.

Endlich finde ich aber auch Texte, die mich nicht nach den ersten zwei Sätzen langweilen. Lest zum Beispiel, wie Markus Steiner mit dem Indian Pacific durch Australien fährt oder wie Jutta Pilgrim mit ihrem Vorspann ein Totenfest auf Sulawesi vorstellt. Oder wie Philipp Laage auf seine Interrailer-Touren zurückblickt. Wie gesagt: Viel Zeit müsste man haben, viel mehr.

Gratulation, Johannes, zu diesem Start – und viel Erfolg für die Reisedepeschen!

Den Schwarzwald mit neuen Augen sehen. Ein TV-Tipp.

SWR Schwarzwaldgeschichten, Teil 1

Der Steinbachhof bei St. Märgen. Foto © SWR/Harold Woetzel

 

Der Schwarzwald. Was wird es da schon Neues geben? Haben wir das nicht alles rauf und runter gelesen, gesehen, gehört? Die Tannen, der Bollenhut, die Bauernhöfe, Berge, Speck, Kirschtorte, Wasserfälle, Kuckucksuhr, Obstschnaps, Trachten, Dörfer, Wanderwege, Skifahren. Zum Schwarzwald fällt einem ganz viel ein, ob man von dort stammt (wie ich) oder nicht.

Das liegt natürlich daran, dass es hier um mehr geht als um eine Landschaft im Südwesten Deutschlands, ein schönes Mittelgebirge mit einem eigenen Menschenschlag und ein Gebiet, in dem man herrlich Ferien machen kann.

Es geht um eine Formel: Schwarzwald = Heimat.

In den vergangenen fast hundert Jahren hat sich der Schwarzwald zur ideellen Gesamtheimat der Deutschen entwickelt. Er steht für fast alles, was im Begriff „Heimat“ mitschwingt. Landleben und Geborgenheit, Nähe zur Natur und einfaches Leben, harte körperliche Arbeit und Geselligkeit. Bilder und Vorstellungen einer modernen Sehnsucht. Gepflegt und gehegt von Städtern, von denen die große Mehrheit im Lauf der letzten zwei, drei Generationen das Land verlassen hat und in die Städte gezogen ist. Was Country-Musik in Amerika ist – eine musikalische Beschwörung und Feier alles Nicht-Städtischen –, diese Rolle übernimmt in unserem Gefühlshaushalt das schillernde Wort Heimat.

Knifflige Sache: Heimat. Unübersetzbar in andere Sprachen, schon sehr deutsch. Von den Nazis missbraucht und vergewaltigt. In der Nachkriegszeit hemmungslos verkitscht – etwa in den Schwarzwald-Mädel-Filmen der 50er Jahre. Später geriet der Schwarzwald etwas aus dem Focus, tauchte dann aber als Opfer der Industrialisierung in den 80er Jahren plötzlich wieder auf: Waldsterben!

Das Waldsterben hat sich ja nun vom phantasierten Weltuntergang zu einem etwas diffusen chronischen Krankheitsbild zurück entwickelt. Doch im Prinzip hat man das jetzt im Griff. Heute ist in den Köpfen deshalb wieder Platz, den Schwarzwald neu zu erzählen.

Der SWR beweist jetzt den richtigen Riecher für diesen Zeitgeist. Er zeigt, ab heute, in fünf Dokumentationen, „Schwarzwaldgeschichten“. Untertitel: Den Schwarzwald mit neuen Augen sehen. Die Reihe ist eine Art moderne Heimatkunde im TV-Format. Es geht um (Kultur-)Geschichte und Besiedlung, den Wald und seine Nutzung, Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof, Industrie und Tourismus. Und es geht darum, wie der Mythos Schwarzwald entstand, was er heute bedeutet, wie wir ihn heute neu sehen und interpretieren können.

Ein Prozess, der gerade massiv in Gang kommt, wie mir scheint. Etwa wenn ich mir den Erfolg des Offenburger Pop- und Street Art-Künstlers Stefan Strumbel anschaue, mit neon-leuchtenden Kuckucksuhren und Leitsprüchen wie „Holy Heimat!“ oder „What The Fuck is Heimat?“ Das ist ein neuer, jüngerer Blick auf die Formel Schwarzwald = Heimat.

Ein TV-Tipp für die kommenden fünf Sonntagabende. SWR-Fernsehen, 20.15 Uhr. (Ach, da kommt Tatort? Ist doch eh nur noch Mist.)

Mehr auf swr2.de/schwarzwald

Hotelzimmer der Zukunft: Schlafen wir bald im Smartphone-Raum?

Du drehst dich um und vor dir an der Wand erscheint der Terminkalender deines Smartphones. Oder die letzten Fotos, die du geschossen hast. Oder eine News-App. Du kannst die Reise-Infos über die Stadt, in der du gerade in einem Hotel eingecheckt hast, aufrufen, deine Facebook-Seite, ein Skype-Fenster oder, oder – lass die Phantasie spielen.

So sieht ein Hotelzimmer irgendwann in der Zukunft aus. Jedenfalls stellen die Designer von SerranoBrothers es sich so vor. Jede Wand ist interaktiv, Fußboden und Decke spielen auch mit. Fernseher öffnen sich wie Riesenaugen, auf dem Örtchen kannst du gleich einen Gesundheitscheck abrufen: Blutdruck leicht erhöht? Gut so, schließlich bist du ja auf einer spannenden Reise.

Das Konzept der spanischen Designschmiede wurde eben auf der Fiturtech 2013 vorgestellt, einer Messe für Innovation und Tourismustechnologien in Madrid. Hat mich schon an jenes Haus der Zukunft erinnert, das Windows-Chef Bill Gates irgendwann vor Jahren vorgestellt hat. Darin agierte alles mit seinen Bewohnern wie von Zauberhand. Keine Ahnung, was daraus wurde – aber dass Windows unter den Sponsoren dieser Hotel-Studie auftaucht, ist dann doch nicht so erstaunlich.

Schöne Aussichten, jedenfalls. Vor allem wenn das mit dem Hotelzimmer der Gegenwart vergleicht: Um einen Computer oder eine Kamera aufzuladen, suchst du eine halbe Stunde lang nach Steckdosen und schiebst dann ein Nachttischchen herum oder kriechst unter den Schreibtisch. Das Hotel-Wlan geht in die Knie, sobald du ein paar Mails und einen Browser gleichzeitig öffnest – falls es überhaupt arbeitet.

Da wäre ein bisschen Innovation sehr willkommen.

Bei Tnooz gefunden.

Mit allen Sinnen und so: Simulation statt wirkliche Berge

Nationalpark Berchtesgaden

Foto: © Nationalpark Berchtesgaden

"Die Natur auf einzigartige Weise und mit allen Sinnen erlebbar machen" lautet der erste Satz in diesem PR-Waschzettel. Ein neues Bildungs- und Infomationszentrum in Berchtesgaden wird vorgestellt. Sicher sehr interessant und sinnvoll und vollkommen multimedial und supermodern. Mit "vertikaler Wildnis", einer "Bergvitrine" und vollmundigen Ankündigungen: "Das Gesamtkonzept soll die Sensibilität der Besucher für die einzigartige Natur und das kulturelle Erbe des Nationalparks und seines Umfeldes fördern."

Alles OK, gut und schön und absolut 21. Jahrhundert. Aber wenn ich Berge und Natur "mit allen Sinnen" (die grauenhafteste aller sinnentleerten Floskeln) erleben will, dann gehe ich – in die Berge.

Kanaren: Renaissance? Comeback? Oder immer schon da gewesen?

Gleich wieder ein Disclaimer vorweg: Ich bin Kanaren-Fan.

Seit gut 15 Jahren fahre ich regelmäßig auf die Inseln und nie haben sie mich gelangweilt. Jede Reise bringt Neues, Überraschendes, Unbekanntes. Natürlich gibt es die Tourismus-Schreckenszonen von Maspalomas, Playa del Inglés, Los Cristianos und wie die diversen urbanicaziones alle heißen. Aber sie machen nur einen kleinen Teil der Kanaren aus (wohin jedoch, klar, die meisten Touristen fahren). Faszinierend sind Teneriffa, Gran Canaria etc aber woanders: In den Bergen, abseits, auf den Nordseiten, im Hinterland. (Drei der fünf Header-Fotos auf diesem BLog stammen von den Kanaren.)

Vielleicht hat diese Faszination auch damit zu tun, dass die Kanaren von heftiger Entwicklung verschont geblieben sind. Ab und an eröffnet ein neues Hotel oder eine Altstadt oder ein Dorf wird ein wenig aufgerüscht. Risiege Autobahnprojekte, von denen Inselpolitiker aus der Betonfraktion durchaus immer noch träumen, liegen – zum Glück – auf Eis beziehungsweise sind Makulatiur: die Kohle aus Brüssel  versiegt, dazu seit zwei Jahren die spanische Krise. Und wo sich etwas tut, wie im Großraum Santa Cruz – La Laguna auf Teneriffa, wird einer vormals verstaubt-verpennten Region ein nötiger Schuss Vitalität verpasst: eine moderne Stadtbahn, das Auditorio von Calatrava, der Wiederanschluss der Stadt an Hafen und Meer, neue Museen …

So hat es mich auch nur kurz überrascht, als jetzt eine PR-Meldung des Buchungsportals Opodo hereinkam: Unter den auf dem Portal zehn beliebtesten, also meist gebuchten Zielen deutscher Urlauber 2012 sind gleich vier Kanarische Inseln (und, mit Spitzenreiter Mallorca und der Nachbarinsel Ibiza, gleich sechsmal Spanien) vertreten.

Die Deutschen und Spanien – das scheint eine Urlaubs-Dauerliebe zu bleiben.

Das Ranking:

1. Mallorca / Spanien

2. Fuerteventura / Kanaren, Spanien

3. Antalxa, Türkei

4. Teneriffa / Kanaren, Spanien

5. Hurghada und Sharm El Sheik / Ägypten

6. Gran Canaria / Kanaren, Spanien

7. Kreta / Griechenland

8. Lanzarote / Kanaren, Spanien

9. Dejerba / Tunesien

10. Ibiza / Spanien

Die 100 besten Hotels in Europa: ein neues Webmagazin

Heute ein wenig Reklame in eigener Sache. Trommelwirbel, Tusch, Fanfaren:

Klickt auf das Foto oben und ihr gelangt zu einer neuen Art von Hotelsuche: Seit einigen Tagen steht auf stern.de das neue Webmag “Die 100 besten Hotels in Europa” online. Es basiert auf dem jährlichen, aufwendigen Hotel-Ranking, das wir einmal im Jahr bei GEOSAISON aufstellen. 30 Hotelkenner  – Designer, Hoteliers, Fotografen, Journalisten aus mehreren Ländern testen, checken, wählen aus und stellen ihre Lieblingshotels vor. Aufgeteilt sind die Häuser in zehn Kategorien.

Dies ist keine App im klassischen Sinn, sondern ein neues digitales Medienprodukt auf der Basis von HTML5. Nicht bei iTunes oder in einem Android-Store zu finden, sondern direkt hier. Kostet 2,99 Euro, nicht mehr als ein Latte Macchiato. Und eine komplette Kategorie – die zehn besten Hotels außer Konkurrenz – ist zum Testen kostenlos freigeschaltet.

Das Webmag läuft auf Browsern (Chrome, Safari, Firefox, nicht getestet für Internet Explorer), also auf PCs und Macs, Laptops und Tablets.

Hier gibt es sehr eine ausführliche Beschreibung, es wird erklärt, wie der digitale Hotelkatalog funktioniert und was er im Einzelnen bietet: Superleichte Navigation, rund 500 Fotos, Links zu den Hotel-Sites und Karten.

Damen und Herren, sehen Sie selbst!